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Desert Daze 2017

Von Bernd Skischally, 12. Oktober 2017

Jahrelang blickten dem Rock’n’Roll zugewandte Neo-Hippies und ihre Space-Shoegaze-Fuzz-Geschwister hellwach nach Austin. Auf das Lineup des Levitation Festivals, der Mutter der zeitgenössischen Psychrock-Extravaganza. Leider mussten sich die Texaner dieses Jahr erst einmal von einer voran gegangenen Unwetter-Absage erholen und pausieren. Doch das Universum ist bekanntlich groß, vor allem wenn es um (musikalische) Bewusstseinserweiterung geht.

Desert Daze heißt der offizielle Höhepunkt des undergroundigen Psych-Sommers in den Staaten dieses Jahr und der findet dieses Wochenende in der Wüste Kaliforniens statt. Auf dem Gelände des Institute Of Mentalphysics in Joshua Tree. Der Ort und die staubig-rostige Gegend drum herum sind bereits seit Längerem Pilgerstätte für allerlei, vor allem aber für Fans von Kyuss, die dort ihren Stoner-Rock-Mythos erschufen. Passend dazu zählen Sleep, Eagles Of Death Metal und der durch Josh Homme revitalisierte Iggy Pop zum Desert-Daze-Programm.

Die restliche Zusammenstellung eifert dann auch eher den extrem musiknerdig kuratierten All Tomorrow Parties (ATP) nach und weniger dem groß angelegten Hippie-Hollywood des Coachella Festivals (das ebenfalls unweit von Joshua Tree beheimatet ist): die legendären UK-Tripper Spiritualized headlinen, ebenso Kurt Vile im Verbund mit Courtney Barnett. Dazu spielt Velvet-Underground-Mitgründer John Cale einen seiner raren Auftritte, Sonic-Youth-Kopf Thurston Moore schaut samt Solo-Group vorbei und für angemessen Fuzz sorgen die verlässlichen Live-Bretter Ty Segall und King Gizzard & The Lizard Wizard. Dazu: Tortoise, Allah-Las, Panda Bear, Liars, Boris, La Femme, Cigarettes After Sex, Deap Vally und irgendwo dazwischen mit den Berliner Kraut-Köpfen Camera auch eine handverlesene deutsche Band (die gerade ihre erste große US-Tour spielt).

Dass ein solches Festival nicht in den Köpfen von Marketing-Strategen entsteht, dürfte auf der Hand liegen. Eine Reportage der LA Weekly über Festivalgründer Phil Pirrone und seine in Los Angeles ansässige Crew zeigt das sehr eindrücklich. 2012 haben die Veranstalter ihr Projekt mit einem elf Tage dauernden Event im Hinterhof eines Wüsten-Pubs erstmals losgetreten. Fünf Jahre und eben so viele Festivals später sind ihnen Enthusiasmus und Visionen offenbar nicht abhanden gekommen. „Desert Daze is where people come to have reformation, transformation and inspiration — things that the rock & roll scene isn’t super plugged in on anymore. To have a place where the cynical rock & roll motherfuckers can have a spiritual experience is a super important thing”, findet Pirrone.

Desert Daze 2017 - Full Lineup Playlist (by Big Mama)
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