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© Andrew Ogilvy

Ride Weather Diaries

Von Oliver Schröder, 16. Juni 2017

Es gab wohl kein Jahr, in dem man mehr Gefahr lief, die Helden seiner Jugend durch Selbstdemontage zu verlieren. Slowdive zeigten erst vor ein paar Wochen, dass man auch nach längerer Pause durchaus etwas zu sagen haben kann. The Jesus & Mary Chain dagegen in diesen Tagen musikalisch altern zu sehen, erscheint zumindest hinsichtlich neuen Materials weniger würdevoll.

Nun also Ride.

Und sie machen nicht einfach auf dem Niveau weiter, wo sie vor 20 Jahren aufgehört haben, sondern legen einen drauf. Kenner ihres Backkatalogs wissen allerdings, dass das nach dem von Auflösungserscheinungen gezeichneten „Tarantula“ keine große Leistung ist. Das schwierigste beim Einspielen und Abmischen des Albums wird wohl gewesen sein, der Band eine Relevanz für das Jahr 2017 zu verleihen. Und das klappt auch zum Teil: Erol Alkan und Alan Moulder sorgen für einen angemessenen Klang zwischen Rides druckvoll-verpopptem Trademark-Sound und einigen neuen Impulsen aus der aktuellen Welt des Shoegaze-Revivals. Die beiden vorab veröffentlichten Songs „Charm Assault“ und „Home Is A Feeling“ stehen sich in diesem Spannungsfeld druckvoll gegenüber. Der Titelsong plätschert dann allerdings in der Mitte sieben Minuten uninspiriert vor sich hin und gegen Ende fällt das Album so theatralisch wie unspektakulär ineinander zusammen.

Insofern bietet „Weather Diaries“ recht wenig Neues, dafür viel Solides. Alte Fans können also aufatmen – wenn auch nicht allzu herzhaft. Extra wegen der neuen Songs wird zumindest kaum jemand auf die anstehenden Konzerte kommen wollen. Oder um frei nach Rilke zu sprechen: Wer bis jetzt kein Ride-Fan war, wird auch keiner mehr.

VÖ: 16. Juni 2017 via Wichita Recordings
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