Von Nico Beinke, 06. Juli 2020

Nach „Almost Blue“ kommt irgendwann „Forever Blue“. Was Elvis Costello 1982 ins Rollen brachte, nahm Chet Baker 1987 dankend auf. Und es ist ja im Prinzip der Klassiker: Musiker schreiben sich ihren Schmerz von der Seele. Im Falle von A.A. Williams Debüt erscheint dieses Motiv eher als Plattitüde, denn als absoluter Gefühlszustand. Schmerz klingt anders. Die Londonerin croont zu einem pathetisch überhöht/unterkühlten Timbre ihre acht Songs auf „Forever Blue“ und beschreibt ihre Art des Songwritings, bzw. des Textens als Therapie.

Verbalising something, you feel a weight has been lifted

Vielleicht ist die immerwährende Düsternis also vielmehr ein Zustand, der droht, wenn diese Art Therapie nicht stattfände? Da sind wir natürlich schnell einmal mehr beim überstrapazierten Begriff der Katharsis. Aber es gibt blödere Motive, um ein Album aufzunehmen.

Da ich immer noch nach einer würdigen Nachfolgerin für Rose Kemp suche, die die besagte Düsternis – und den dazugehörigen Schmerz – allürenfrei und getrieben auf Bühne und Band bannt, werde ich oft enttäuscht und weiß selbst um meine zu hohen Ansprüche. Aber automatisch kommt mir bei harten Riffs und weiblichem Gesang die Sehnsucht hoch, Kemps „Unholy Majesty“ aufzulegen. Und mit Anna von Hausswolff fange ich am besten erst gar nicht an. A.A. Williams Version von Dark ’n’ Heavy ähnelt eher der von Evanescence.

Ein Lichtblick allerdings sind ihre Wohnzimmer-Soloshows, die Williams dazu nutzt, um stripped to the bone-Versionen ehemaliger Großtaten der Deftones oder Nine Inch Nails zu performen, die dann tatsächlich intim und ein wenig düster wirken.

VÖ: 03. Juli 2020 via Bella Union