Von Bernd Skischally, 23. Oktober 2019

Küsten-Highways vor Wüstenpisten, Kakteen auf Palmen, durchgerostete Cadillacs, Salsa mit Guacamole und überall unrenovierte Motels mit beschissenem Fernsehprogramm. Der erste Kalifornien-Roadtrip ist wohl immer wie er sein sollte. Ein Hollywood-B-Movie, ein Traum. Der Soundtrack hätte in meinem Fall nicht passender sein können: das Debütalbum der Allah-Las. 2012 war das. Die erste Psychedelic-Welle des 21. Jahrhunderts näherte sich gerade ihrem Peak und war dennoch frisch wie ein In-N-Out-Burger. Da kamen die surfigen Schunkel-Brüder aus Los Angeles genau richtig mit ihrem sepiafarbenen „Catamaran“. Meine Kumpels und ich fuhren zwar nur einen Dodge-Van von der Autovermietung und keinen über vier Generationen vererbten VW T-1. Ein „Busman’s Holiday“ wurde es trotzdem nicht.

Das Problem das die Allah Las seither begleitet: Ihre erste Platte war, für das was sie war, schon fast zu perfekt. Der Vibe, das Timing – zu stimmig, zu schön. Fast wie das Grinsen des damaligen Präsidenten. Alles weitere, das ahnte man beim Auf-Repeat-Hören genau wie bei Barack Obama, konnte da nur enttäuschen.

Sieben Jahre später – das Grinsen ist allen vergangen – ist nun das vierte Album der Allah Las erschienen. Und es ist weder eine Eins-zu-Eins-Kopie des Debüts wie die 2014er Platte „Worship the Sun“ noch ein weiteres, reines Kinks- und Beatles-Epigonen-Werk wie „Calico Review“ (2016). Der Band geht es bei „LAHS“ offenbar vor allem um Stil- und Variantenreichtum innerhalb ihres festgezurrten Retrorahmens. Nebst Englisch wird auch mal ein wenig mit Spanisch, Portugiesisch und sogar ganz kurz mit Japanisch experimentiert. Dabei klingen sowohl Songwriting als auch das Recording angenehm aufgefrischt und akzentuiert, ohne dass sich der natürlich weiterhin vorhandene Sixties-Filter zu sehr in den Vordergrund drängt. Doch selbst die besten Songs der Platte brauchen einige Durchläufe und ordentlich Volume, damit sie zünden. Allen voran der Surf-Hook von „Keeping Dry“, das verträumt shakernde „Star“ und „Polar Onion“, das sehr an Brian Jonestown Massacre erinnert, funktionieren dann aber auch sehr gut ohne Roadtrip und Dauersommer.

Ein bisschen mehr von dem Mut, den beispielsweise die mit ähnlichen Startvoraussetzungen ausgestatteten The Growlers über die Jahre bewiesen haben, und weniger trallalahafte Lückenfüller wie der Song „On our Way“, der das Reise-Motiv endgültig überstrapaziert und nur noch zum Anhalten einlädt, dann wäre diese Rezension eventuell sogar ganz ohne Vergleich mit dem genialen Erstlingswerk ausgekommen. Nächstes Mal dann vielleicht.

VÖ: 11. Oktober 2019 via Mexican Summer