Von Nils Hartung, 19. Mai 2020

Immer wenn sich die Welt im Krisenmodus befindet, scheint Katie Stelmanis alias Austra mit prophetischer Pünktlichkeit ein passgenaues Album aus der Schublade zu zaubern. „Future Politics“ vor drei Jahren war voll von düsteren Pop-Distopien und erschien – wie passend – am Tag der Amtseinführung eines gewissen Donald Trump. Nun verschreibt sich Stelmanis in Zeiten der Pandemie ein persönliches Gegengift und singt von Selbstfindung, dem Überwinden toxischer Beziehungen, der Liebe zur Natur.

Auch musikalisch wird entschlackt. Statt nebliger Verschwurbelung gibts auf „HiRUDiN“ erstaunlich viel Four-to-the-floor und Gradlinigkeit zu entdecken („Anywayz“, „Risk it“). Dazwischen pendeln die Songs zwischen liebevoll intimen Momenten („All I wanted“) und überraschend aufgestapelten Pomp („It’s Amazing“). In „Mountain Baby“ darf sogar ein Kinderchor ran. Das alles klingt erstmal so gar nicht nach den wohlbekannten Zutaten eines Austra-Albums. Am Ende passt aber alles erstaunlich gut zusammen, weil Austra auf ihrem eingeschlagenen Weg ins Licht ausreichend häufig Haken schlagen und die aufsteigenden Feel-Good-Pop Ballons genau im rechten Moment zum Platzen bringen. Treuen Anhänger wird die liebgewonnene Austra-Düsternis an der ein oder andere Stelle wohl aber trotzdem fehlen.

12.11.2020 (AT) Wien – Flex
15.11.2020 Berlin – Metropol

VÖ: 01. Mai 2020 via Domino Records