Von Nico Beinke, 24. Juli 2020

Keine Vorgaben oder Erwartungen. Selten hat der Name eines Bandprojektes so perfekt die immanente Arbeitsweise vorweggenommen. Autotelisch bedeutet im Prinzip, etwas nur zum Selbstzweck entstehen zu lassen. Der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi beschreibt diesen Vorgang unter anderem als Zustand völliger Vertiefung, als Tätigkeitsrausch, ähnlich dem Stream Of Consciousness. Und genau so entsteht Ambient, von jeher die Musikrichtung, die totale Freigeistigkeit beim Künstler, sowie den Rezipienten praktisch voraussetzt, der sich von monotonem Lounge und sogenannter Entspannungsmusik grundsätzlich unterscheidet.

Während Autotelias „I“ entspannt sich niemand; soll auch nicht, niemals. Demian Castellano (The Oscillation) und Tom Relleen (Tomaga) geben den fünf Songs immerhin etwas mehr als 55 Minuten Zeit, um den Zuhörer in einen anhaltenden Zustand der Anspannung zu versetzen und wiederholen hierbei einzelne Tonfolgen geradezu exzessiv. Das knapp siebenminütige „Floating Island Of The Gods“ besteht (praktisch ausschließlich) aus einem eher defätistischen Mantra, das nervt und gleichzeitig anregt. Das darauffolgende „Storm At Tucanae“ treibt neun Minuten auf sphärischen Drones, wie sie die Mount Fuji Doomjazz Corporation seit 2007 in die Welt setzen, oder gar Bohren & der Club of Gore. Dabei lässt „First Flight“ an erster Stelle der Tracklist durch seine zwar vertrackte, aber immerhin vorhandene, Rhythmik eher auf ein Electro-Album der Marke „R.I.P.“ von Actress vorfreuen, aber es soll anders kommen.

„I“ ist ganz und gar die Art Brocken, die sich nun wirklich nicht allzu oft hören lässt. Aber die zu Selbstkasteiungszwecken gut neben „Come To Daddy“ von Aphex Twin im Plattenschrank Platz finden könnte. Aber es ist ebenfalls die Art Musik, die tatsächlich noch potentielle Neuerungen bereithält, sozusagen am ehesten, im Vergleich zu songwriting-basierter Musik. Wie schon geschrieben: Freigeistigkeit ist hier keine Phrase sondern Phase von Anfang bis Ende – elektronische E-Musik vom Feinsten zudem.

VÖ: 24. Februar 2020 via Rocket Recordings