Von Alex Schulz, 13. November 2020

“We’ve always had Josh Homme as our dream collaboration, but Rob Ellis as producer on the album was definitely a dream collaboration as well. We wouldn’t mind a Mark Lanegan feature either!” – so die Grunge-Band Baby In Vain in 2017.

Bereits zum Erscheinen des Debüts „More Nothing“ vor drei Jahren formulierte das Trio aus Dänemark ganz offensichtlich mehr als achtbare Ansprüche. Waren diese zwar mit einem Augenzwinkern versehen, so schwingt in derlei Aussagen doch immer das Fünkchen Hoffnung mit, einen solch großen Wurf zu auch wirklich zu landen. Reine Träumerei? – Für Baby In Vain nicht unbedingt. Schließlich konnten sich die drei Damen unter anderem bereits im Vorprogramm eines Thurston Moore (Sonic Youth!) beweisen. Auch der besagte Produzent Rob Ellis ist alles andere als ein kleines Licht, so zeichnet er sich doch für etliche PJ Harvey Alben verantwortlich. Spannende Startbedingungen und vielversprechende Anlagen sind vorhanden, daran besteht infolge des energiegeladenen und doch verträumten „More Nothing“ kein Zweifel. Das Erstlingswerk bleibt ein echter Geheimtipp, weshalb die Fans der ersten Stunde gewiss zurecht mit Spannung auf einen Nachfolger aus Kopenhagen gewartet haben.

Auch (vorerst) ohne große Kollaborationen, setzt die Band mit „See Through“, ihrem zweiten Streich, zu einem weiteren Sprung nach vorn an. Die Palette der Wunschpartner dürfte sich dem neuen Sound nach zu urteilen in 2020 ebenfalls erweitert haben: stand „More Nothing“ noch zu großen Teilen für Grunge, Stoner Rock und Hard-Rock-Riffs – je aufgrund der Vocals mit einer Prise Dreaminess versehen – ist „See Through“ auf dem Weg zu einer Umkehr dieser Verhältnisse. Shoegazing und Dream-Pop nehmen nun mehr Platz auf dem Album ein und prägen die Stimmung des Gesamtwerks. Hätte die Band ungezügelt in die Feature-Kiste gegriffen, wären ihnen Slowdive oder Hope Sandoval (Mazzy Star!) wahrscheinlich von allein bereits entgegengesprungen.

Wobei die Band ganz ehrlich niemanden braucht als sich selbst. Denn das neue Album ist nicht nur überzeugend, es ist eine Wucht. Ein Album, dass einfach cool klingt und gekonnt zeitlosen Charakter hat. Wie beim Vorgänger ist für jeden Geschmack etwas dabei und es darf bereits jetzt gemunkelt werden, in welche Richtung das Genre-Pendel bis zur nächsten Platte ausschlägt. Letztlich bleibt aber sogar zu hoffen, dass das Dreiergespann sich zunächst treu bleibt. Daran gäbe es gemessen an diesem Blueprint des Dream-Grunge rein gar nichts auszusetzen.

VÖ: 17. Februar 2020 via Escho