Bad Breeding – Abandonment
© Katie Rose

Bad Breeding Abandonment

Ich muss ja sagen, ich bin ein großer Noise-Freund. Ob es sich jetzt noch in relativ musikalischen Kategorien bewegt wie bei Napalm Death, oder eher einer Avantgarde zugewandt ist wie bei Throbbing Gristle, Merzbow oder John Zorn ist mir erstmal einerlei – ich könnte jetzt viel über das Apollinische und das Dionysische bei Nietzsche berichten, über Psychoakustik und über die Materialität und Stofflichkeit von Geräuschen, die viel mehr Informationen senden als reine Töne. Mach ich jetzt aber nicht, denn die nachfolgenden Zeilen widmen sich der neuen EP der britischen Band Bad Breeding.

Die vier Stücke auf „Abandonment“ wurde in Berlin am Vorabend der Europatournee reingehämmert, ohne dass man auf eine Post-Produktion zurückgegriffen hätte. Dadurch entsteht ein Dokument, das die rohe Energie eines Liveauftrittes von Bad Breeding wohl am ehesten wiederzugeben vermag und in dieser Qualität hohes agitierendes Potential besitzt – die Wut und die Frustration, die sich in den Engländern über die wachsende Kluft zwischen den Generationen und gesellschaftlichen Missstände aufgestaut hat, peitscht einem ungezügelt und –gefiltert entgegen. In der Ausprägung relativ klassisch gehaltener Hardcore-Punk, der in seiner Aggressionen und Gewalttätigkeit oft an Dead Kennedys, Napalm Death, Ceremony oder Minor Threat denken lässt. Das hat alles einen ordentlichen Drive nach vorne, ist aber für zu Hause oder womöglich im Auto ziemlich anstrengend und macht eher schlechte Laune.

Mir lag die EP als Vinyl vor, die dank des Lieferdienstes praktisch zusammengefaltet wurde, und die Nadel somit auf eine wilde Berg- und Talfahrt geschickt wurde – ich muss aber ehrlich sagen, dass ich im direkten Vergleich mit dem Stream keinen Unterschied wahrgenommen habe. Somit gibt es wahrlich keine Peaks nach oben, aber die EP tut auch keinem weh und somit bleiben immerhin Ausbrüche nach unten ebenfalls aus. Das ist ziemlich minimalistischer Zorn, der klanglich absolut undifferenziert daher kommt, was für ein Live-Konzert womöglich aber ein dickes Plus sein kann, weil man Teil einer aufgewiegelten Masse sein und simple Texte mitgrölen kann.

VÖ: 27. April 2018 via One Little Indian Records
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