Von Stefan Killer, 14. Februar 2020

Wäre „Stray“ das Werk von Schriftstellern, die Geschichten darin hätten einen zwiegespaltenen Ursprung: der eine Teil läge im Kalifornien der 1960er-Jahre, der andere im viktorianisch geprägten London. Doch so weit die zwei Settings auseinander zu liegen scheinen, so gut harmonisieren sie auf dem vierten Album des New Yorker Trios Bambara.

Obwohl die experimentierfreudigen Zwillingsbrüder Reid und Blaze Bateh mit ihrem Bassisten William Brookshire von Athens rüber in die Metropole an der Ostküste gezogen sind, erinnert „Stray“ eher an die kalt feuchten Wave-Nächte Londons. Und gleichzeitig klingt es, als triebe Glenn Danzig die Geister Lemmy Kilmisters und Dick Dales wie gebannt vor sich her.

Mit dem Wet-Regler auf Anschlag geht es zum Beispiel in „Serafina“ Richtung Spoken Word mit poppigem Noir-Einschlag. Auch Surfrock findet immer wieder seinen berechtigten Platz in dieser musikgewordenen Karikatur einer Gothic Novel. „Made for Me“ geht beinahe als romantische Synthiepop-Ballade durch. Und in „Sweat“ berserkert Bambara, als hinge die Zukunft des Trios – trotz hervorragender Kritiken zum Vorgängeralbum – am seidenen Faden.

Der Damsel-in-distress-Moment in der Mitte des Songs kombiniert mit Reid Batehs Baritonrufen und der treibenden Rhythmusgruppe bildet Quintessenz und zugleich Höhepunkt des Albums. „Stray“ ist eine Ode an die Vergänglichkeit – und diese gilt es, zu feiern. Tag für Tag.

25.05.2020 Köln – Bumann & Sohn
26.05.2020 Hamburg – Molotow
27.05.2020 Berlin – Urban Spree
28.05.2020 München – Sunny Red
29.05.2020 Mainz – Schon Schön

VÖ: 07. Februar 2020 via Wharf Cat Records