Von Säm Wagner, 13. September 2019

War eigentlich irgendjemand beim Boaty Weekender dabei? Die Kreuzfahrt von Belle & Sebastian im August mit gleichen mehreren Konzerten der Band und weiteren Auftritten von Mogwai, Yo La Tengo, Camera Obscura, Teenage Fanclub und vielen mehr – das hätte mich ja schon interessiert. Auf einem Schiff gefangen mit diesen Bands (und weiteren Programmpunkten, wie Kinderschminken, Fußballturnier und Margarita Tasting) muss genau nach meinem Geschmack gewesen sein. Das zumindest meinte der Instagram-Algorithmus, der mir das komplette Frühjahr über täglich Werbung für diese Veranstaltung präsentierte.

Egal. Jetzt also ein neues Album von Belle & Sebastian. Das dreizehnte (je nach Zählweise). Und ja, es ist klar: Nach Album Nummer sechs („Dear Catastrophe Waitress“) und der Singles-Compilation „Push Barman To Open Old Wounds“ war dann doch irgendwie die Luft ein wenig raus. Den Zauber ihrer frühen Werke konnten Belle & Sebastian nie mehr ganz entfalten.

Jetzt also „Days Of The Bagnold Summer“, nach „Storytelling“ die zweite Soundtrack-Arbeit der Band. Interessant: Simon Bird, der Regisseur der Comic-Buch-Verfilmung „Days Of The Bagnold Summer“, ist scheinbar ein ins Nerdtum verfallener Belle & Sebastian-Fan. Er wünschte sich von der Band neben neuen Songs auch die Neuaufnahmen zweier riesiger B&S-Klassiker („I Know Where The Summer Goes“ und „Get Me Away From Here I´m Dying“) und des bislang unveröffentlichen Tracks („Safety Value“). Die Wahl von „Safety Value“ erschien selbst Stuart Murdoch recht obskur. Er hatte den Song selbst nie fertig komponiert und konnte sich „nicht dran erinnern, dass er den Song jemals außerhalb eines Coffeeshops gespielt hat“ (aus der Albuminfo).

Eben genau diese drei „alten“ B&S-Songs stechen auf „Days of Bagnold Summer“ gemeinsam mit der Vorab-Single „Sister Buddha“ hervor. An die Zeiten von „If You’re Feeling Sinister“ oder „The Boy With The Arab Strap“ kommen B&S leider auch auf Teufel komm raus nicht mehr heran. Klar, die weiteren Songs sind gut. Die mächtige Fallhöhe sorgt natürlich dafür, dass „Days Of The Bagnold Summer“ trotzdem in der Summe ein recht ordentliches Album wurde. Aber leider: Mein Griff ins Plattenregal geht immer noch eher in Richtung B&S 1996 – 2005.

VÖ: 13. September 2019 via Matador Records