Von Nico Beinke, 26. November 2019

Ein wirklich guter Score sollte, für sich selbst stehend, eine ähnliche Wirkung entfalten können, wie in Verbindung mit den Bildern, für die er geschrieben wurde. „Catastrophic Deliquescence (Music From Fortitude 2015-2018)“ ist im klassischen Sinne Filmmusik, eigens zur Unterstützung der serienimmanenten Handlung von Ben Frost ersonnen und keine Aneinanderreihung von Songs verschiedener Interpreten, im Sinne eines Soundtracks, wie wir es beispielsweise von Quentin Tarantino kennen.

„Fortitude“ ist eine britische Mystery/Krimi-Serie, die in drei Staffeln ausgestrahlt wurde und im norwegischen Teil der Arktis spielt. Und so fühlt sich Frosts Score an: Eiskalt, beängstigend, den unendlichen Weiten der Gegend, die er zu beschreiben sucht, angepasst. Man fühlt sich verloren. Kaum eine Komposition könnte dieses Gefühl trefflicher beschreiben, als diese von Ben Frost erdachte „Katharsis in weiß“. Die verschiedenen Themen tragen Titel wie „Bear Alarm“ und „Permafrost“, die eine Stimmung schon vorgeben, die der Australier auf beängstigende Art in seinen Hörern auszulösen versteht. Er selbst findet folgende Worte hierfür: „A head on collision of real-world science and environmental horror.“

Als kleines Bonbon gibt es – ganz unerwartet und mittendrin – eine A Capella-Version von Soft Cell‘s „Tainted Love“, gesungen von Mariam Wallentin, ihres Zeichens Sängerin der Wildbirds & Peacedrums. Und gelegentlich taut es auch in der Arktis („Snow Like Smoke“ & „Cerebral Spinal Fluid“), was dann ein wenig an das „Laughing Stock“-Album der großen Talk Talk erinnert.

Im übrigen sollte ein wirklich guter Score beim Hörer den sehnlichen Wunsch erwecken, am besten stante pede, mit dem Sehen der Serie zu beginnen. Bei mir hats geklappt!

VÖ: 22. November 2019 via Mute Records