Von Oliver Schröder, 12. Juni 2020

Einraumalbum: Ben Shemie wühlt uns mit seiner zweiten Soloplatte nochmal ganz neu auf. Quasi in einem Take aufgenommen und ohne Overdubs sind die elf Stücke wieder ein buntes Gewaber an verstörenden Eindrücken, flimmernden Fragmenten und manchmal sogar so etwas wie Songs.

Man kann sich bildlich vorstellen, wie der Kanadier alleine in seinem Wohnzimmer sitzt und mit minimalistischen Mitteln gegen die kühle Einsamkeit arbeitet. Dabei hebt sich Shemies Körpertemperatur kaum von der ihn umgebenden Raumtemperatur ab. Der Soundvampir scheint es so ganz komfortabel zu finden. Seine markante Stimme sorgt dazu in all ihren verzerrten Modulationen für zusätzliches Frösteln.

Ein verzweifelter Kampf gegen die Kälte also, der dennoch nur gewonnen werden kann. „A Single Point of Light“ liegt nämlich an dermaßen vielen Stellen neben der Spur, auf der sich reguläre (auch psychedelische) Indierock-Alben bewegen, dass Kategorien hier sowieso nur innerhalb des Shemieschen Kosmos funktionieren. Ein extraterrestrisches Heimspiel sozusagen. Hörer, die schon die Songs seiner Hauptband ungemütlich finden, können hiermit erst Recht nichts mehr anfangen. Das klingt manchmal angenehm betäubend wie Suuns nach einer Extradosis Valium („Ties That Bind“), manchmal aber auch befremdlich strukturlos und zerfahren. Also eigentlich auch wie Suuns, aber unfertiger. So als würde Ian Brown mit seinen neu erworbenen Apps abends alleine im Proberaum herumspielen („Change“).

Irgendwie zündet das mäandernde Konzept dann aber doch und selbst ein fünfminütiges waberndes Nichts wie das Titelstück, schafft es in der Kühltruhe voller merkwürdiger Effekte einen Funken zu entzünden, der so etwas wie Faszination beim Hörer auslöst. Oder war es Verwirrung?

VÖ: 12. Juni 2020 via Hands In The Dark