Von Lennard Göttner, 23. Januar 2020

Black Lips. Eine Band, die so viel Historie hat, so viele Krisen und Unglücke durchlebte und so derart viele Erfolge feiern durfte. Und das seit mittlerweile sage und schreibe 21 Jahren. Von Müdigkeit oder Erschöpfung des rasanten Musikgeschäfts ist bei den fünf Musikern allerdings keine Spur. Warum auch? Black Lips stehen schon immer für Originalität und schon immer für Einzigartigkeit. Egal ob auf Platte oder bei ihren oft eklatanten und teilweise skandalösen Live-Shows. So kreierten sie über Jahre hinweg ihre ganz eigene Nische in der Punk- und Rockszene mit unterschiedlichsten Einflüssen, beispielsweise aus der Country- oder Folk-Musik.

„Sing In A World That´s Falling Apart“, das mittlerweile neunte Studio-Album des aus Atlanta stammenden Quintetts führt genau diese musikalische Diversität und Vielfältigkeit fort. Dabei ist der erste Song der Platte, „Hooker Jon“, wahrscheinlich der klassischste. In Manier der vorherigen Werke ist er ein lockerer und unverkrampfter Einstieg. Neben zahlreicher guter Laune-Melodien ist das Album aber vor allem eins: eine Reise durch die Historie und Vergangenheit der britischen und US-amerikanischen Musikgeschichte. Es erinnert ein Song nach dem anderen an bekannte und vertraute Melodien, ohne dabei wie ein Abklatsch oder eine Kopie zu wirken.

So kommt „Chainsaw“ beispielsweise stark Bad Company oder etwa den späten 60er der Rolling Stones gleich. Im Hinblick auf die Chronologie müsste man allerdings mit „Angola Rodeo“, dem siebten Song der Platte anfangen. Neben den ohnehin bluesigen Strukturen und Mustern des Songs, fallen vor allem die Vocals in den Strophen auf, die fast identisch mit Chuck Berrys Masterpiece „Roll Over Beethoven“ sind. „Holding Me Holding You“ lässt hingegen Erinnerung an Creedence Clearwater Revival erwachen.

Trotz zwölf Songs und knapp 40 Minuten Laufzeit ist „Sing In A World That´s Falling Apart“ ein rasantes und vor allem dynamisches Werk, das zu keiner Sekunde langweilt. Die Kombination aus Country- und Garage-Rock fasziniert auch noch nach mehr als 20 Jahren und so werden Fans mit der Platte ihre helle Freude haben. Black Lips reproduzieren nicht das, was sie ohnehin schon präsentiert und bewiesen haben, sondern gehen weiter, die musikalische Entwicklung der Band hält nicht still. Das Quintett folgt ihrem eigenen Weg ohne irgendwelchen Trends oder populären Absichten hinterher zu hecheln und das schon immer. Black Lips machen weiter und weiter und das ist gut, denn während die gesamte Welt auseinander fällt, ertönen unermüdlich Melodien aus Georgia, die uns daran erinnern, wie schön und einfach das Leben sein kann.

VÖ: 24. Januar 2020 via Fire Records