Von Matthias Prawinski, 10. November 2020

Anscheinend sind es die untrennbaren ambivalenten Verbindungen, die für Blackbird Mantra eine Rolle für das große Ganze spielen. Ohne Leben kein Tod und ohne Nacht kein Tag- nach diesem Prinzip des Wechselspiels, wie beim Ein- und Ausatmen, verfolgen sie ganz nach dem Gesetz der Polarität ihren Weg zur eigenen Balance.

„High and Dry“ heißt ihr erster Longplayer und kommt am 06. November auf La Pochette Surprise Records, einem in Hamburgs Schlagader ansässigen Label, raus. Vor Kurzem erschien ihre Single „The Wheel“, – ein gelungenes Video (directed by Marf Mabo), dass den täglichen Hamsterrad-Dauerlauf und die immer überschäumendere Flut sich aufdrängender Bilder und Werbung in Frage stellt. In Zeiten der Selbstabwendungstendenz also ziemlich wesentlich und aktuell.

Ihre Neigung zur Ambivalenz spiegelt sich auch in ihrem Bandnamen wider: Eine Amsel. Alltäglich, bekannt und geläufig trifft auf der anderen Seite ein mythologisches Wesen, welches fähig sein soll Blitzeinschläge und Krankheiten abzuwehren, außerdem wird dem schwarzen Druiden nachgesagt als Torhüter der Keltischen Anderswelt zu fungieren. Die Geschichten darüber sind scheinbar ein Fass ohne Boden und diese Zerrissenheit, nein, eher der milde Wunsch nach unendlichem Raum für eine ausbalancierte Ambiguität, lässt diese Songs unter anderem so schweben.

Es klingt schon fast zu einfach, wie Blackbird Mantra 60s/70s Psychedelic mühelos mit einer legeren Timber Timbre Folk-Einwirkung verschmelzen lassen und mit Kraut kombinieren. Aber auch hier scheint das Zitat „das Scheinbare ist flüchtiger als das Unscheinbare“ auch seine Wirkung voll zu entfalten, denn was so locker, luftig und mühelos klingt, ist ein umfangreicher Arbeits- und Entscheidungsprozess, der jedem Kopf der Band mögliche Song-Vetorechte einräumt und damit das Ziel verfolgt, jedes Bandmitglied gleichsam und in vollem Umfang mit dem gemeinsamen Werk zufrieden zu stellen. Gleichberechtigung vor verlangsamender Praxis.

Über ein Jahr lang haben Timo Grimm, Thies Lingner, David Gradl und Helge Schritt an diesem Album gearbeitet; aufgenommen im August letzten Jahres in einem kleinen Studio im ehemaligen DDR-Funkhaus in Berlin mit Sound Engineer Geret Luhr. Aufgrund monetärer Ausschöpfung hatten Blackbird Mantra nur vier Tage Zeit ihre Songs in diesem Studio einzuspielen, sind danach aber in Luhrs kleineres Studio in der Lüneburger Heide untergekommen. Die Zuständigkeit für das Mastering wurde an Philipp Welsing übertragen (Odd Couple, Laura Carbone).

Die Pläne „High And Dry“ Anfang 2020 fertigzustellen, wurden durch die anfänglich aufkommende Pandemie erstmal auf Eis gelegt und so konnten sie erst seit letztem Sommer weiter daran arbeiten.
Ausgefeilte Textzeilen und Timos warme, charismatische Stimme führen durch Reverb-beladene Gitarren, die mal nüchtern und mal oszillierend den geradlinigen Weg verlassen auf dem Weg ins Surreale. Ihr Bass wie ein verlässlich-rauschhafter Kompass, das Schlagzeug als verlässlicher, impulsgebender Begleiter und Blackbirds Wurlitzer ruft ein verträumten Ray Manzarek Wachtraum in uns aus. Ein komplementäres und schwereloses Album mit surreal-psychedelischem Anstrich, dass auch mit einer ungefähren Gesamtlänge von über 40 Minuten mit „nur“ acht Songs nicht langatmig erscheint.

VÖ: 06. November 2020 via La Pochette Surprise Records