Von Alex Schulz, 30. Juli 2020

Für die Wochen und Monate weltweit verhängter Quarantänen wird gewiss sein, dass unzählige Projekte, die in den Menschen schlummerten, spontan in die Tat umgesetzt worden sind. Ausschlaggebend war der auferlegte Stillstand, der die Gesellschaft auch in Deutschland in großen Teilen beispiellos entschleunigt hat. Diejenigen – mit dem Glück gesegnet von den negativen Seiten der Infektion und Isolation verschont zu bleiben – fanden den idealen Nährboden für das Stück Selbstverwirklichung, dass sonst durch fehlende Zeit und Stress im Keim erstickt worden wäre.

Warum nicht zum Beispiel ein klitzekleines, maximal nerdiges, aller Voraussicht nach einmaliges Musik-Projekt im Rahmen ungezwungener Homerecording-Sessions aufnehmen? Ein solches Projekt ist in jedem Fall die EP „BiG BiN MiND“ von Alexander Günther respektive Quarantäne-Alter-Ego Blumes.

Dessen Musik kommt minimalistisch instrumentalisiert und gleichzeitig mit schön viel Sound-Gefrickel daher. Synthie-Experimente mal sperriger, mal melodischer zusammengesetzt, nehmen hier einen Großteil der Klangästhetik ein. Es kratzt, es klackert, es wabert und es blubbert auch ein bisschen. Dazu kommen häufig verzerrte, gerne eigenwillige Vocals und fertig ist ein liebenswürdiges musikalisches Werk irgendwo zwischen Avant-, Synth- oder auch Dream-Pop. Ein persönlicher Anspieltipp wäre „Telephone Jokes“, dass an den guten alten Liebhaberfavorit The Notwist erinnert (rein vom Titel gewissermaßen auch ein Gegenstück zu deren „Pick Up The Phone“).

Die Qualität der EP zeigt, es ist ratsam, sich gerade in diesem Jahr die Neuerscheinungen auch sehr kleiner Künstler oder Projekte anzuhören. Denn diese offenbaren stets ganz viel ehrliche Leidenschaft für ihr Schaffen und hatten nun im besten Fall die Muße auch neue Wege zu gehen.

VÖ: 10. Juli 2020 via Flennen