Von Oliver Schröder, 29. Januar 2020

Kleine Experimente! Wenn der Name Bohren & der Club of Gore fällt, kommt es entweder zu Vergleichsversuchen, in denen an irgendeiner Stelle auch der Name David Lynch fällt. Oder es werden Superlative herangezogen. Dass die vermeintlich langsamste Band der Welt bereits seit einer Ewigkeit besteht und mittlerweile elftes Album veröffentlichen, ist allerdings kaum das Ergebnis einer erfolgreichen Masche.

Mit „Patchouli Blue“ wird die Frage nach der Bedeutung der Band erneut mit stoischer, tiefdunkler Güte beantwortet, aus der gelegentlich ein Funken Verschmitztheit hervorblitzt. Es handelt sich hier ja durchaus um Songs. Nicht um reine Klanglandschaften oder abstrakte Ambientsounds, die beim Dinnerdate laufen können. Hinter gewohnt schrägen Titeln wie „Verwirrung am Strand“ oder „Sollen es doch alle wissen“ verbergen sich weiterhin keine leichtfüßigen Popnummern. Der Bohren-Kosmos ist immer noch klar an der Grenze zwischen Licht und Schatten abgesteckt, aber hat sich in Punkto Songlauflänge um einiges zusammengezogen. Elf Stücke in gut 60 Minuten gab es schließlich noch nie. An anderer Stelle wurden die Grenzen des Machbaren ganz leicht ausgedehnt.

Die Orgel bei „Total falsch“ funktioniert da fast wie ein Tusch. Danach weiß der Hörer, dass sich die Band fünf Jahre nach „Piano Nights“ in keinster Weise von ihm entfremdet hat. Die Möbel im Raum sind die gleichen geblieben. Das düstere Vangelis-Klagen am Ende des Stücks aber enthüllt, dass hier und da etwas verrückt wurde. Man sieht die feinen Schleifspuren auf dem Holzfußboden: Veränderungen, die sich auf die hohe Qualität der Songs nur minimal auswirken, aber vermutlich das vielseitigste aller Bohren-Alben hervorzubringen halfen.

18.05.2020 Regensburg – Alte Mälzerei
19.05.2020 (AT) Wien – Grelle Forelle
20.05.2020 (A) Salzburg – Jazzit
21.05.2020 (CH) Schaffhausen – Kammgarn
19.-21.06.2020 Duisburg – Traumzeit Festival
12.11.2020 Mannheim – Alte Feuerwache (Enjoy Jazz)
14.11.2020 Schorndorf – Manufaktur
20.11.2020 Leipzig – UT Connewitz
21.11.2020 Berlin – Volksbühne
04.12.2020 Köln – Kulturkirche
05.12.2020 Mainz – Capitol-Theater

VÖ: 24. Januar 2020 via PIAS