Byul.org – Nobody’s Gold
© Thomas Dwarswaaard

Byul.org Nobody’s Gold

Das Kollektiv mit dem sonderbaren Namen Byul.org meldet sich nach gut einem Jahr – sofern ich meinen Aufzeichnungen Glauben schenken kann – mit 14 Stücken zurück. An ihrer bewährten DIY-Attitüde hat sich nichts geändert, ebenso wenig am Label. Somit ist auch das neue Album wieder auf Alien Transistor, dem Label der beiden Acher Brüder, verlegt. Ein vorschnelles Fazit lautet etwa so: Stellenweise freundlicher, aber auch finsterer als noch auf dem Vorgänger »Selected Tracks For Nacht Dämonen«.

Unter dem Begriff Vielschichtig hatte ich Byul ohnehin abgespeichert und „Nobody’s Gold“ bestätigt sich jene Vermutung nur allzu gut. Von allem etwas dabei und gewiss kein Album, das bloß sinnfrei durchläuft – vielmehr ein Werk, dass einen zum Nachdenken anregt und als ein verlässlicher Begleiter in diesem grauen Herbst scheint.

Manch ein Titel ginge ohne Probleme im Club durch – wie die eindringliche Popcorn-Synth Melodie bei „Drinking At A Seaside“. Andere wiederum würden im Museum für experimentelle Videokunst einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Schmunzeln muss man dann bei Titeln wie „The Place Where Designers Go To Die“ – obgleich man in den 10 Minuten recht wenig lachen kann. Das muss ein sehr düsterer Ort sein. Improvisations-Klavier à la Stockhausen bei „Museums Of The Two Of Us“ und viele große Synthesizer Momente, wie bei „Bean Tale“ oder „Dirty Dirtniess“.

Nicht zu vergessen seien die Stücke, die einem bereits nach einmaligen Hörgang nicht mehr aus dem Kopf gehen und wie John Maus auf koreanisch klingen: „Nari Yuko Jin“. Wüsste ich es nicht besser, könnte der 3-Minüter vermutlich auch auf einem verschollenen 80er Jahre Sampler zu finden sein, dessen Neuauflage für horrende Summen als Import-Ware nun überteuert im gut sortierten Plattenfachgeschäft zu finden ist. Wie dem auch sei, hier paaren sich kristallklare Melodien und zauberhafte Arpeggios-Läufe mit Vocoder-Roboter Gesang. Wohlgemerkt auf koreanisch. Noch nie so gehört, aber das funktioniert ganz wunderbar, so dass es für meinen Geschmack zu einem der Ausnahmestücke, neben der herzzerreissenden Stadionrock-Ballade „Friendly Enemies“ auf der Platte macht.

Die Mannigfaltigkeit der Gruppe sei also hier zur Sicherheit doppelt erwähnt. Vermutlich ist das soziale Umfeld der Musiker auch größtenteils dafür verantwortlich, dass sich eine Formation so zwanglos keinem wirklichen Genre verschreiben mag oder will. Was man halt so macht, wenn man sich im Freundeskreis zum Trinken trifft und ganz nebenbei auf der Venedig Biennale den Koreanischen Pavillon entwirft: Ambitionierte Musik. DIY eben, einfach machen und einfach drauf los. Ach würde ich doch nur ein einziges Wort koreanisch verstehen. 아름다운.

VÖ: 23. November 2017 via Alien Transistor
Web Analytics