Von Stefan Killer, 05. September 2019

Was, wenn Singer-Songwriter nicht – wie so oft – nach Herz- und Weltschmerz, sondern trockener Hingebung klängen? Und was, wenn nicht Akustik-Gitarrenakkorde und Strophe-Refrain-Schema, sondern oktavierende Matheformeln und geordnet chaotische Krachpoesie im Vordergrund stünden? Die Musikwelt wäre eine bessere, eine vielfältigere zumindest, oder?

„The Perfect Ending“ ist das zweite Album der Gebrüder Beck alias Cassels und haut genau in diese Kerbe. Es ist eine Symbiose zwischen Politik und Protest, Alt und Neu, Singer-Songwriter und… whatever.

Der Klimawandel, neoliberaler Kaputtismus und das vermeintliche Erstarken der Rechten (nicht nur) in Jim und Loz Becks Heimat Großbritannien sind diesmal Thema. Mal in reflektiert peinigender Singer-Songwriter-Manier: „ All the St John’s Wort in the world / Will not cure my weltschmerz / Some things are meant to hurt“. Mal dem bayerischen Motto „Ja mei“ entsprechend:

This upright fleshy parasite had been incredibly short-sighted / Try as they might to shrink-wrap the creeping sense of doom / Convince themselves the years of warnings would never come true / Focus their attentions on upgrading their iPhone 21’s to the brand new iPhone 22 / The holes were too big / The boats too few

Nach den letzten beiden Zeilen des Titeltracks folgt übrigens „The Leaking Ark“ – wie passend.

Konzept und Krach sind Königsklasse, Besetzung und Auftreten typisch britisches Understatement. Ob das jedermanns Sache ist, sei jedoch dahingestellt. Auf „The Perfect Ending“ haben sich jedenfalls zwei Landeier verewigt, die instrumental vor Wut kochen, vokal aber so manchem konsumfreudigen Städter geistreich die Leviten lesen.

24.11.2019 Köln – Autonomes Zentrum Köln
25.11.2019 Hamburg – Hafenklang
26.11.2019 Berlin – Zukunft am Ostkreuz
27.11.2019 Regensburg – Alte Mälzerei

VÖ: 06. September 2019 via Big Scary Monsters