Chastity Belt – I Used to Spend So Much Time Alone
© Conner Lyons

Chastity Belt I Used to Spend So Much Time Alone

Vorneweg: „I Used to Spend So Much Time Alone“ klingt ganz wunderbar lebendig. Mag daran liegen, dass es vor gut einem Jahr komplett live eingespielt wurde. Es ist das 3. Album der Band und wurde in Portland, Oregon von Matthew Simms produziert und aufgenommen. Hey, Oregon! Home of all your favorite Elliot Smith Records! Chastity Belt (übersetzt übrigens der völlig aus der Mode gekommene Keuschheitsgürtel) sind Annie Truscott, Gretchen Grimm, Julia Shapiro und Lydia Lund, die es mittlerweile nach Seattle gezogen hat. Das hört das geschulte Ohr sofort heraus und macht von daher musikalisch komplett Sinn und hey — Seattle! Home of all your favorite Grunge Records!

Bezaubernd, diese verspielten Gitarrenriffs in „This Time of the Night“. Witzig, wie sehr der Titelsong der Platte „Used To Spend“ an Tocotronic der späten 90er erinnert, nur eben mit Frauengesang. Lustig, wie das Stück „Stuck“ nach der längst in Vergessenheit geratenen Band 125, Rue Montmartre und den Sampler „Achtung Autobahn“ aus dem Jahr 2000 klingt. Diese Epoche ist längst vorbei und gerade deshalb hat dieses Album die letzten 20 Jahre an unglaublich vielen Abenden gefehlt. Es fehlte in all den Bars, in denen man Menschen kennenlernt und sich irgendwann halbtrunken, halbeuphorisch Quatsch erzählt. Und es fehlte auch, als man früh morgens alleine nach Hause getorkelt ist. Diese Platte hat nun schon an zahlreichen sonnigen Sonntagen gefehlt — an Sonntagen, an denen man halb verschlafen aus den Decken blinzelte und sich vielleicht ein wenig für die Geschehnisse des Vorabend schämt, obgleich man sich nur mangelhaft daran erinnern kann. Gut, dass diese Platte jetzt raus kommt. Doch wie jene Sonntage, dünnt sich auch dieses Album nach hinten hin ein wenig aus. So ist das nun mal mit der Euphorie, so ist das dann mit launischem Post-Punk. Kommt und geht. Aber schön, dass er wieder da ist, ich hab ihn schon ein wenig vermisst.

VÖ: 02. Juni 2017 via Hardly Art