Von Oliver Schröder, 13. März 2020

Shakespeare Sisters: Wenn bisher von CocoRosie geredet wurde, fiel spätestens im dritten Satz das Wort „exzentrisch“. Im vierten dann „Hip Hop“. Der Rest beschäftigte sich dann mit der unerhörten Tatsache, dass das Duo es immer wieder schafft, durch den wilden Stilmix ihren ganz privaten Jahrmarkt zu inszenieren: geheimnisvoll, bizarr, unerwartet. Der Überraschungseffekt nutzte sich seit dem „La Maison de Mon Rêve“ zwar etwas ab, das aber zugunsten eines immer deutlicher in den Mittelpunkt gerückten Popappeals.

Bianca und Sierra Casady konsolidieren mit ihrem siebten Album ihre Sonderstellung, in dem sie ihre nicht mehr so sehr darauf setzen, sämtliche Musikstile nebst Effekte gleichzeitig unterzubringen, sondern ihre Stücke noch ein Quäntchen mehr wie Songs einzukleiden. Die angeklebten Bärte sind ab, die Theaterschminke bleibt drauf: Rap, Harfe, Klavier, Gitarre und Beats werden weiterhin mit kindlicher Begeisterung zu schlafwandelnden, bissigen Albtraumpop arrangiert, bei dem man sich manchmal selbst nicht erklären kann, wie schnell man als Hörer wieder an der Nadel hängt.

VÖ: 13. März 2020 via Marathon Artists