Von Christian Selzer, 22. November 2019

Freunden elektronischer Musik dürfte das Kölner Kompakt Label vor allem für seine Spielart von Minimal Techno bekannt sein. Von Reduktion kann beim Produzenten-Duo Coma, das seit 2009 seine Platten auf Kompakt veröffentlicht hatte, jedoch keine Rede sein. Stattdessen wabern schillernde Neo-Disco-Sounds aus den Boxen und beschwören mit suppigen Synths, pumpenden Beats und Handclaps en masse die Tanzflächen-Glückseligkeit der 80er.

Für ihr neues Album „Voyage Voyage” wechselten Coma nun zu City Slang. Einen radikalen Bruch mit ihren musikalischen Wurzeln bedeutet dies jedoch nicht. Das Klangspektrum des Duos speist sich immer noch aus dem vom French House inspirierten Electro-Disco-Funk. Aber Georg Conrad und Marius Bubat führen anderes im Schilde, als lediglich die nächste Retrosau durchs Stroboskopgewitter zu jagen. Denn die immer noch tanzbaren Beats auf „Voyage Voyage” durchzieht eine bittersüße Note, die hinter dem Party-Eskapismus bereits die Schwermut des nächsten Morgens erahnen lässt. Weil die Stücke oft zu lyrisch für den Club, zu subtil fürs Formatradio und zu treibend für die Couch sind, öffnen sie eine Welt, die voller Zwischentöne steckt. So rückt auf „A-Train” zwischen den Instrumenten plötzlich die menschliche Stimme in den Vordergrund und driftet auf Rhodes- und Synthesizer-Wellen dem Sonnenuntergang entgegen. „Inside Out” hingegen streckt mit Stakkato-Bass und roboterhaften Vocoder-Klängen die Fühler ganz weit Richtung Italo Disco und New Wave aus. Auf „Bits and Pieces” taumelt die Melodie berauscht nach oben und wird kurz vor der Peaktime von den Vocals gnadenlos auf den Boden zurückgeholt.

Mit ihrem vielschichtigen und von Emotionalität getriebenen Disco-Entwurf zeigen Coma, wie elektronische Musik heute aussehen kann, wenn sie sich von Zwängen befreit. Die spielerische Herangehensweise des Duos ist nicht nur ein Statement für die idealistische Freude an der Musik, sondern auch gegen zeitgeistige Belanglosigkeit.

28.11.2019 Berlin – Urban Spree
05.12.2019 Köln – Bumann & Sohn (ausverkauft)
05.12.2019 Köln – Bumann & Sohn (Zusatzshow)
10.03.2020 Heidelberg – Karlstorbahnhof Club
11.03.2020 München – Rote Sonne
12.03.2020 Nürnberg – Club Stereo
13.03.2020 Leipzig – IFZ
18.03.2020 Hamburg – Uebel & Gefährlich (Turmzimmer)

VÖ: 22. November 2019 via City Slang