Von Nico Beinke, 01. November 2019

Ach ja, Ambient also… Stört nicht, halt so Gedudel zum nebenbei hören – ließe sich schnell schlussfolgern. Oder zum langsamen Dahingleiten in Traumwelten jenseits von Raum und Zeit, was der Sache bereits näher zu kommen scheint. Allerdings weniger die unbekannten Weiten des Captain Kirk, eher die des Kölner Flughafens, in dem 1977 Brian Eno die Zukunft der Lounge-Musik erdachte („Ambient 1: Music for Airports“). Streng terrestrische – Moog Modular-basierte – Hausmannskost aus Dallas, die so gar nicht nach steriler Pro Tools-Produktion schmeckt. Denn die Reise durch die Zeit findet Richtung Vergangenheit statt.

Ambient zumal, der als Trio erdacht wird, den Linda Beecroft, Christian Havins und Michael Gerner als opulent/symphonisch instrumentiertes Event-Erlebnis verstanden wissen möchten. Während Beecroft für Gesang und Percussion zuständig ist, lassen Havins und Gerne zeitgleich ihre selbstmodulierten Synths aufeinander los. Diese übereinander gelagerten Tonfolgen stehen dabei nicht im Wettstreit miteinander, sondern verleihen dem Sound ein Maximum an Freigeistigkeit. Es klingt einfach warm und sympathisch, nicht abgehoben, oder gar avantgardistisch. Ebenso an Kraut und New Age (Tangerine Dream) orientiert, wie an Jean Michel Jarre, oder gar Orbital. Wenn an erster Stelle, während des Titeltracks „The Spiral Arm“, Linda Beecroft (gedehnt und ganz in sich ruhend) gesanglich Hope Sandoval ein Denkmal errichtet, dann ist bereits alles gewonnen. Der Triumphzug durch ein fulminantes Album hat begonnen – die Herzen der Zuhörer werden im Sturm erobert sein.

Nicht zu vergessen: „The Spiral Arm“ von Dallas Acid erscheint – als erster Release seit Jahren! – über das legendäre Label All Saints Records. Brian Eno lässt grüßen.

VÖ: 01. November 2019 via All Saints Records