Von Christian Selzer, 01. April 2020

It’s the end of the world as we know it. Die Menschheit befindet sich im kollektiven Ausnahmezustand. Wie es nach der Krise weitergeht, weiß keiner. Ruhe bewahren! lautet das Gebot der Stunde, das auf musikalischer Ebene seine Entsprechung in den entspannten Sounds von Ambient findet. Das beatlose „Illusion of Time” von Techno-Produzent Daniel Avery und Nine-Inch-Nails-Keyboarder Alessandro Cortini scheint da genau zur richtigen Zeit zu kommen: Sphärische Sounds und watteweiche Texturen dominieren zunächst die Platte, auf der die atemlosen Mechanismen von Rock- und Pop gekonnt ausgehebelt werden.

Wer nun aber glaubt, mit „Illusion of Time” einen musikalischen Tranquilizer für turbulente Zeiten gefunden zu haben, wird bitter enttäuscht. Vielmehr klingt „Illusion of Time” so, als hätte Brian Eno sein „Music for Airports” für den Baustellen-Flughafen BER geschrieben: Tief unter der Fassade aus Schichten flächiger Sounds mäandern unfertige Melodiefragmente, die den Hörer in finstere Tiefen locken. So entsteht eine Art Düster-Ambient, der seine Schönheit aus der Gegensätzlichkeit verschiedener Stimmungen bezieht.

Übrigens: Entstanden ist das „Illusion of Time” über große Distanz und durch den jahrelangen Austausch von Soundfiles zwischen den beiden Musikern. Ein Lichtblick in Zeiten von „Social Distancing” und häuslicher Quarantäne.

VÖ: 27. März 2020 via Phantasy