Dead Man’s Eyes – Words of Prey
© Dellbrück

Dead Man’s Eyes Words of Prey

Nach zwei Jahren im Proberaum hat das Kölner Indie-Quintett Dead Man’s Eyes nun neun Songs auf seinem Debütalbum vereint. „Words of Prey“ heißt das gute Stück, vergangenen Freitag ist es über und in Zusammenarbeit mit Tonzonen Records erschienen. Der Pressetext dazu liest sich – wie so oft – vielversprechend: Mal sehen beziehungsweise hören, ob sich die „dynamischen Arrangements innerhalb weniger Sekunden von jazzig-leichten Tasten-Rhythmen“ tatsächlich „zu von drei Gitarren angetriebenen, mantrischen Jams verwandeln“.

„Radiant Smiles“ ist stark im sphärischen Rock der 1960er-Jahre verwurzelt. Dead Man’s Eyes hat dem Opener trotzdem einen modern poppigen Drive gegeben. Danach taucht der Hörer mit „Dive“ vom glitzernden kalifornischen Pazifik in die Untiefen psychedelischer Erzählkunst. In „Be Good“ spielt die Band langsamer und gewollt träger: Der dritte Song auf „Words of Prey“ wirkt wie der tragikomische Katerblues nach dem Exzess, der wortkarge Cooler. Runterkommen für Fortgeschrittene.

In „What Are You Waiting For“ gilt der Titel als Motto: Aufrappeln ist angesagt. Vergangenes sacken lassen. Allerdings erst einmal vorsichtig mit Akustikgitarre und dem Gesang halbtransparent hinter einem Effektvorhang versteckt, ehe die Band wie aus einer inneren Unruhe heraus am Ende des Songs neue Energie schöpft. Voll und ganz groovt sich Dead Man’s Eyes dann durch „This Old Place“ – so, als durchstreife die Band großen Fußes mit Schnauzbart und Daumen an der Gürtelschnalle ein altes US-Kleinstädtchen auf dem Weg in die (musikalisch) mannigfaltige Freiheit.

Auf dem Boden der Tatsachen angekommen, knarzt hinter dem Schnauzer nur noch die Tür im Zwischenstück „This Old Interlude“. Wie vom hiesigen Hilfssheriff für unsittliches Auftreten eingesperrt, geht „Words of Prey“ nach der anfänglichen Reise quer über die US-amerikanische Klangkarte recht zurückhaltend zu Ende. In dem restriktiven Pop-Rahmen der Songs bleibt kaum Zeit für genreabtrünnige Umbrüche.

Auf der Trackliste stehen noch „Two Dozen Eyes“, das in Tarantino-Manier nüchternen Knastblues verkörpert, sowie der Digitalkritik-Song „Robot Sophia (I Will Marry Her)”. „Fire of My Own“ bildet zuletzt eine Ode an das vergänglich kleine Individuum.

Dead Man’s Eyes probiert auf „Words of Prey“ viel aus – am Ende bleibt aber nicht besonders viel hängen. Geschichten werden erzählt, richtig mitreißend wirken sie nur stellenweise. „Words of Prey“ ist ein gutes Stück Musik – zweifellos. In der Flut hochkarätiger Retro- und Indie-Platten droht ihm womöglich trotzdem der Untergang. Die anfangs zitierten „mantrischen Jams“ der Konzerte fehlen auf der Platte. Live funktioniert Dead Man’s Eyes aber sicher hervorragend.

VÖ: 22. Juni 2018 via Tonzonen Records
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