Deaf Wish – Lithium Zion
© Ela Stiles

Deaf Wish Lithium Zion

Es schleift und kratzt vertraut. Als träfe man einen alten Schulkollegen, den man das letzte Mal sah, als er auf der Tanzfläche der Abifeier seiner Freundin in den Ausschnitt kotzte. Im Hintergrund lief „Sugar Kane“, draußen war es schon hell. Danach war Schluss mit der Party, der Freundin und den Neunzigern.

„Lithium Zion“ ist bereits Deaf Wishs fünftes Album, davon das zweite auf Sub Pop. Dass die Australier da zweifelsfrei gut aufgehoben sind, stand schon beim formidablen Vorgänger „Pain“ vor drei Jahren nicht zur Debatte. Parallelen zu Sonic Youth sind unverkennbar. Mit ihrer Kombination aus koolen fe/male Vocals und dem typisch flirrend-fiependem Gitarrensound könnten Deaf Wish auch nur schwerlich etwas schreiben, das nicht nach Kim Gordon und Thurston Moore klänge.

Der Opener “Easy” ist fast schon ein noisy Festgesang – mit melancholischem Unterton, wie sich das für eine Hymne gehört. Und es sind genau diese Momente, die „Lithium Zion“ zu etwas Besonderem machen. Das Innehalten im Mittelteil von „The Rat Is Back“, der pöbelnde Noiserocker „Metal Carnage“ oder der zackige Postpunk im Titelstück. „Lithium Zion“ bietet einen höchst abwechslungsreichen Überschall-Kurs in Youthologie, der die Schwerpunkte an den richtigen Stellen setzt. Neben dem wohl immer etwas verklärenden Blick zurück, geben Deaf Wish aber auch eine neue Richtung vor, in die es gerne in Zukunft weitergehen kann.

Der Sohn des alten Kollegen ist jetzt übrigens Gitarrist der Schulband. Und die soll auf der nächsten Abifeier spielen. Ratet mal, wer in der ersten Reihe stehen wird.

VÖ: 27. Juli 2018 via Sub Pop Records
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