Death & The Penguin – Anomie

Death & The Penguin Anomie

In ihrer Heimat wurde Death & The Penguin kürzlich für’s prestigeträchtige ArcTanGent-Festival bestätigt. Nun ist das Debütalbum der Band aus London raus. Und ja – bei einem solch mitreißenden und anspruchsvollen Album, wie es „Anomie“ ist, dürften auch die Booker der deutschen Festivallandschaft nicht lange auf sich warten lassen.

„Hospital Song“ mutet sich paradox wie eine Art einstimmiger Choral an. Er funktioniert super als Intro. „The Calving Shuffle“ schafft gleich darauf musikalische Spasmen in Form abgehackter Gitarren- und Basskratzer. Dieser Follow-up-Track von „Kill Saatchi“, der recht bodenständig poppigen Single vorab, wirkt phasenweise wie ein Soundtrack alter Tim-Burton-Filme.

In „Space 1998“ geben vor allen die Keys-Spieler Andy Acred und Chris Olsen den Ton an. Neben ihnen sind Tobias Smith (Gesang/Gitarre) und Phil Gadsden (Schlagzeug) ausschlaggebend für den avantgardistischen Alternativeklang von Death & The Penguin. Den Namen hat die Band übrigens dem Werk eines ukrainischen Satirikers entnommen.

„Colour in Me“ schließt an den Mathrock des Songs zuvor lückenlos an, treibt die Hörerschaft mit seinen Männerchören noch ein Stückchen weiter in die tanzbaren „Anomie“-Bereiche. Mit „Misha Lives“ schaltet das Quartett dann einen Gang runter, um sich dann gediegen eingängig zu dem Singer-Songwriter-Kurzstück „Driftwood (God Loves a Bird of Prey)“ rüberzunicken.

Die Genrevielfalt des Albums schlägt sich auch in Post-Strömungen nieder, wendet Death & The Penguin in „Strange Times“ doch gitarrentechnische Notenakupunktur auf großflächigem Ambientklang an. „Abyssinia“ wirkt schon fast wie das selbstironische Gegenstück dazu ein paar Takte später. „Leatherface“ ist die leicht verstörende Hetzjagd kurz vor Schluss – der individuelle Film, den Band und Hörer seit gut einer halben Stunde vor dem inneren Auge sehen, neigt sich dem Ende: „Do you wanna pull my stitches“, fragt Mr Smith noch.

Und auch, wenn das rückblickende „Was It Kindness“ perfekt für den emotionalen Abspann geeignet wäre, setzt Death & The Penguin mit „Bones“ den Schlussstrich unter „Anomie“. Ob es nun am Rand traditioneller Alternative- oder im Zentrum progressiver Mathrock-Bands steht – mit diesem facettenreichen wie kurzweiligen Debütalbum kann sich Death & The Penguin wohl überall sehen lassen.

VÖ: 27. Juli 2018 via Death & The Penguin
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