Deerhoof – Mountain Moves
© Shervin Lainez

Deerhoof Mountain Moves

Ein Gutes hat das Landleben ja: Selbst wenn alles um einen herum den Bach runtergeht, kann man sich immer noch auf den nächsten Rummel freuen. Dass der kommt, ist ausgemachte Sache – so wie ein neues Deerhoof-Album. Seit über 20 Jahren sorgt das US-Quartett dafür, dass noch Licht brennt auf der Noisepop-Party, auch wenn den alten Weggefährten längst die Puste ausgegangen ist.

Die gute Nachricht: Deerhoof bleiben abenteuerhungrig. Für Altersmüdigkeit fehlt einfach die Zeit, wenn man sich der Suche nach dem perfekten Song zwischen Kitsch und Krach verschrieben hat. Diesem Ziel kommen Deerhoof nach dem verhalteneren letzten Album wieder ein Stückchen näher: „Mountain Moves“ steckt voller schräger Pop-Nummern, die sich mit sperrigen Riffs, windschiefem Gesang und einer gehörigen Portion Wahnsinn jeglichem Schubladendenken entziehen. Und in einer Hinsicht versetzt das mittlerweile 14. Album der Band tatsächlich Berge: Deerhoof öffnen darauf ihren bislang verriegelten Krachkosmos für Kollaborationen mit anderen Musikern. So traten, während Sängerin Satomi Matsuzaki die Yoko-Ono-Gedächtnisbettwäsche lüftete, zahlreiche Gaststars vors Mikro: Stereolabs Lætitia Sadier steuerte Gesangsparts bei, genau wie Jenn Wasner von Wye Oak, die New Yorker Rapperin Awkwafina oder Songwriterin Juana Molina. Neben mehr als einem halben Dutzend Gästen finden sich zudem drei Cover-Songs auf „Mountain Moves“.

Eine Strategie in Krisenzeiten ist, sich von der Welt abzuschotten. Oder sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun, um gemeinsam die Stirn zu bieten. Deerhoof entscheiden sich für Letzteres. So unterschiedlich die Künstler, so erstaunlich heterogen auch die Ideen, die ins Album einflossen. Deren stilistische Bandbreite reicht vom tropischen Offbeat-Ohrwurm („Con Sordino“) über funkelnden Powerpop („I Will Spite Survive“) bis hin zur kammermusikartigen Interpretation eines chilenischen Klassikers („Gracias a La Vida“). Auch wenn nicht alle Ideen zünden, versprüht die kindliche Experimentierfreude des Albums ungeheuer viel Charme. „Mountain Moves“ setzt der wachsenden Engstirnigkeit ein farbenfrohes Statement entgegen – und ist so überraschend ist wie eine große Tüte Buntes.

VÖ: 08. September 2017 via Joyful Noise Recordings
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