Von Oliver Schröder, 24. April 2020

Es hätte auch alles anders kommen können: „Die Liebe frisst das Leben“ ist das Dokument eines vergessen geglaubten Konjunktivs. Oliver Schwabe nähert sich mit seinem Film dem Leben und der Musik Tobias Grubens, der die Biographien der beteiligten Künstler auf unterschiedlichen Wegen gekreuzt hat. Die Erinnerung an ein altes Tape aus den Achtzigern ließ den Regisseur nicht mehr los, sodass er sich auf die Suche nach dem machte, was vom Grubens Leben geblieben ist.

Den zum Teil bis her unveröffentlichten Originalsongs in unterschiedlicher Besetzung (mit Band oder solo) stehen intime Coverversionen von Isolation Berlin, Messer, Tom Schilling, Timm Völker, Tellavision, Paul Pötsch gegenüber. So wirkt auch der Soundtrack zum Film wie eine sehr persönliche Begegnung mit dem Künstler und seinem Schaffen, das ebenso sehr fasziniert, wie es Rätsel aufgibt. Musikalisch geht es in eine gebrochene Welt aus schepperndem Industrial Rock, Gothic-Blues und Synth-Pop. Schauplatz ist das Hamburg der Neunziger Jahre. Schauplatz aber vor allem auch das Innenleben Grubers, der den Hörer durch seine düsteren, bedeutungsschwangeren Texte mühelos in seinen Bann zu ziehen vermag.

Gruben starb am 2. November 1996 an einer Überdosis Heroin. Als verspätete Würdigung deutet „Die Liebe frisst das Leben“ an, was vielleicht noch alles hätte folgen können, wenn die Geschichte weniger tragisch verlaufen wäre. Noch deutlicher und umso tröstlicher scheint allerdings die Botschaft, dass nichts verloren geht, solange jemand sich an dich erinnert.

VÖ: 24. April 2020 via ZickZack Platten / Mindjazz Music