Die Nerven – Fake
© David Spaeth

Die Nerven Fake

„Niemals, Niemals, Niemals!“ – Die Vorabsingle ließ bescheiden darauf hoffen, dass das neue Album das hohe Niveau von „Fluidum“, „Fun“ und „Out“ in Sachen Konsequenz vielleicht halten könnte. Seit ihren Anfangstagen hat sich schließlich viel getan. Mittlerweile ist wirklich jedes deutschsprachige Medium auf das Trio aus Esslingen aufmerksam geworden. Dazu spielen sie auf großen Bühnen und internationalen Festivals. Vom Ritterschlag durch AmRep ganz zu schweigen, das die Band in ihren Labelkatalog aufnahm. So viel Feierei macht langfristig betrunken, fett und unzufrieden.

Gleichzeitig schreien sich Fans und Neider, Freunde und Feinde in den Internetforen an. Es geht um den womöglich unverdienten Hype und darüber, dass endlich mal alle die Fresse über alles halten sollen. „Wir machen alles falsch / wir machen alles richtig“, heißt es zu dem Thema in „Alles falsch“. Auf allen Ebenen wird permanent gekotzt, geranzt, gegiftet. Alle haben Recht, alle haben Unrecht. Dazu sah es mehrere Male so aus, dass „Out“ das letzte Lebenszeichen der Band bleiben könnte.

Bestes Timing also, dass jetzt „Fake“ erscheint und es klingt genau nach dem Kraftakt, der notwendig war, die zwölf Songs hervorzuwürgen: konkret, alltagstauglich, dabei so rast- wie zeitlos. Es passiert nicht allzu oft, dass ein Album so sehr den gegenwärtigen Ist-Zustand der Welt abbildet, ohne mit allwissenden Parolen um sich zu werfen. „Fake“ holt sich endlich das Gefühl zurück, das von den Stumpfen viel zu lange in Beschlag genommen wurde. Wut und Verzweiflung für jeden. Selbstzweifel inklusive. „Skandinavisches Design und Depressionen / Musik, Mode, Meinung für Millionen / Mein Style wurde mir auf Amazon empfohlen“ heißt es in „Skandinavisches Design“ und macht mit wenigen Worten klar, wovon die einen lange Reden halten wollen, und worüber die anderen doofe Memes verbreiten müssen. Nicht Die Nerven sind schlecht drauf, aber ihre Musik ist es. Und das mit Recht und Verstand.

20.04.2018 Leipzig – Conne Island
21.04.2018 Berlin – Festsaal Kreuzberg
22.04.2018 Hamburg – Hafenklang
23.04.2018 Köln – Gebäude 9
27.04.2018 Schorndorf – Manufaktur
28.04.2018 München – Strom
29.04.2018 (AT) Wien – Fluc

VÖ: 20. April 2018 via Glitterhouse
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