Von Nico Beinke, 28. Februar 2020

Frank Spilker wirkt immer so ein bisschen aus der Zeit gefallen, mit seinem fein ziselierten Oberlippenbärtchen. Auch fühle ich mich immer ein wenig an Dieter Meier von Yello erinnert, dem Grandseigneur des europäischen Electro – als Äquivalent zu Meier wäre Spilker wohl so eine Art Ehrenpräsident und Mitbegründer der deutschen Indie-Szene. Ein elitärer Kreis ehedem und so wird es nicht verwundern, wenn das neue Sterne-Album bereits das Dutzend komplettiert.

Und jetzt ist er der einzig übriggebliebene Stern am Firmament, der uns den Weg scheinen mag, deswegen jetzt „weniger Band, mehr Kollaboration“, wie er selbst sagt. Vielleicht auch gerade deshalb der Albumtitel: „Die Sterne“ – Statement, Zäsur, Neuerfindung. Gerade die Zusammenarbeit mit den Düsseldorf Düsterboys macht nicht nur auf textlicher Ebene schrecklich viel Sinn, denn allzu viel Sinnsuche muss nicht betrieben sein, besser wir finden uns einfach mit der omnipräsenten abstrakt-ironischen Art Spilkers ab. Wie aufs Stichwort mag der Ehrenpräsident während „Du musst gar nix“ aufzählen, was er heute alles mal nicht muss. Der vertonte Mittelfinger an alle Erwartungshaltungen.

Das bereits 2017 veröffentlichte, für das WDR Hörspiel „Zwei Ohne Musik“ geschriebene, „Hey Dealer“ bleibt auch drei Jahre später fies ihm Gehörgang hängen und gefällt mir besonders durch das intuitive Drumming Christoph Kählers, das durch steten Beckeneinsatz schepperig und ein ganz klein wenig überkandidelt scheint, dem Song aber einen wunderbaren Drive verleiht. Überkandidelt bis leicht übergeschnappt klingt hier eigentlich sowieso fast alles. Das muss so sein, das ist auf dem Planeten Spilker ganz normal. Ob es nun wirklich gelungen wäre, den Neuanfang auszurufen, scheint mir fraglich, denn die Fans der ersten Stunde können unbesorgt zugreifen. Und selbst für zukünftige Quereinsteiger dürfte es nicht allzu schwer werden, sich auf Planet Spilker zurecht zu finden.

12.06.2020 (AT) Wien – Grelle Forelle
28.06.2020 Hamburg – Uebel & Gefährlich
29.06.2020 Berlin – Festsaal Kreuzberg
05.08.2020 Weinheim – Cafe Central

VÖ: 28. Februar 2020 via PIAS