Von Oliver Schröder, 30. Januar 2019

Wir leben in Zeiten, in denen jeder Gedanke unmittelbar und für alle sichtbar in der Öffentlichkeit platziert werden kann. Selbst fadenscheinigste Worthülsen werden massenhaft kopiert, auseinanderseziert, neuinterpretiert und immer wieder umgedeutet. Der Ausgang scheint ungewisser denn je. Vielleicht hat es mit dieser Überladung zu tun, dass wir uns gegenwärtig verstärkt in den Retrofuturismus zurückziehen. Hier kennt man einiges, vieles davon war besser, aber alles davon lässt sich mit einem Update versehen. So hat man trotz aller Retrospektive doch irgendwie das Gefühl, nach vorne zu blicken. Vielleicht sogar optimistisch. Wo bekommt man das sonst heute noch geboten?

Im Krautrock passiert das vor allem innerhalb eines exklusiven Kreises aus Eingeweihten. Man kennt das: Wenn man auf der Plattenbörse inmitten der Menge aus Hipstern und Modenerds steht und dem Typen gegenüber zustimmend zunickt, weil dieser gerade in einem Bananenkarton eine gut erhaltene Tangerine-Dream-Erstpressung für unter zehn Euro gefunden hat. „Muss ich einfach nur die richtigen Produkte kaufen, oder gibt es noch mehr im Leben?“, heißt die Frage dazu auf exoterisch.

Die Türen wollen sich aus dem Zirkel der Eingeweihten lösen und Musik für alle machen. „Exoterik“ ist ein Triptychon von einem Album, das einerseits vollgestopft ist mit Symbolen, kryptischen Botschaften und knappen Parolen. Andererseits überlassen sie die Deutungshoheit beim Hörer. Der sollte zwar schon irgendwie retrofuturistische Neigungen haben, kann die Musik aber nebenbei auch wunderbar zum Einschlafen, Aufstehen oder Chillen hören. Das ist das Schöne an den Türen. Sie begeben sich mit ihrem matt schimmernden Monolithen aus Kraut, Spacepop und Postpunk gar nicht mal so weit weg vom Beat der Stunde und erlauben es dem Hörer sich trotzdem mit Stücken wie dem viertelstündigen, repetitiven Groove „Irgendwo hingelegt“ gepflegt den eigenen größenwahnsinnigen Neurosen zu widmen und darauf zu warten, dass jemand den roten Knopf drückt, der alles zum Schweigen bringt.

„Was ihr daraus macht, ist eure Sache“, geben uns die Türen mit auf den Weg. Ich gehe jetzt erst einmal duschen und dann gucke ich auf Facebook nach neuen Plattenbörsen-Terminen.

12.10.2019 Berlin – Volksbühne Berlin
16.10.2019 (AT) Wien – Chelsea
17.10.2019 München – Rote Sonne
18.10.2019 Frankfurt – Brotfabrik Frankfurt
19.10.2019 Chemnitz – Atomino

VÖ: 25.01.2019 via Staatsakt