Von Christian Selzer, 07. Januar 2020

Einmal alles zum Mitnehmen, bitte: Nachdem Indie-Querdenker David Longstreth auf den letzten Alben immer mehr R’n’B-Zutaten in die Songs der Dirty Projectors mixte, kehrt „Sing The Melody” zum bodenständigeren Sound der Anfangszeit zurück. Der Grund: Statt neue Stücke wie gewohnt in akribischer Studio-Arbeit zusammenzuschnipseln, verfeinerten Dirty Projectors bestehende Lieder und spielten diese in Vollbandbesetzung neu ein.

Der Stop-And-Go-Sound weicht so fließenderen Arrangements, die organischer und weniger durchproduziert wirken. Neben den größtenteils von „Lamp Lit Prose“ stammenden Songs finden auch Obskuritäten ihren Weg auf die Platte, darunter das von Kanye West, Paul McCartney und Rihanna geschriebene „FourFiveSeconds“, das mit Schrammelgitarre und dreckiger Orgel nun fast garagig daherkommt. „Knotty Pine“ hingegen, geschrieben von David Byrne und Longstreth während der Aufnahmen zu „Bitte Orca“ geschrieben wurde, mutet nahezu sakral an.

Wem der Avantgarde-Pop der Dirty Projectors bisher zu verkopft war, kann mit „Sing The Melody“ einen neuen Versuch wagen. Vertrackte Harmonie-Experimente sind zwar auch hier noch zu finden, wirken aber weniger verkopft als auf den Vorgängerplatten. Zu viel Eingängigkeit sollte man aber nicht erwarten: Gängigen Formatradioschubladen entzieht sich das Bandprojekt von David Longstreth immer noch. Eingefleischten Fans der Dirty Projectors dürfte „Sing The Melody“ zumindest die Zeit bis zum nächsten richtigen Album verkürzen.

VÖ: 13. Dezember 2019 via Domino Records