Von Tim Brügmann, 17. Mai 2019

Moustache-Rock from Outer Space. Wir befinden uns viele Lichtjahre von der Erde entfernt, um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Klangformen und neue Riff-Konstellationen. Wir dringen dabei in Galaxien vor, die nie eine Band zuvor betreten hat und treffen ausgerechnet in Brooklyn auf das Trio Dommengang. „No Keys“ lautet ihr neustes Psychedelic Blackhole und erscheint auf dem Qualitäts-Label Thrill Jockey, was für sich gesehen schon wegweisendes erahnen lässt.

Auf insgesamt neun Tracks gelingt Dan „Sig“ Wilson, Brian Markham und Adam Bulgasem, etwas, wozu derzeit nur wenige Bands aus dem lang angestaubten Stoner-Umfeld in der Lage zu sein scheinen. Im Schatten der immerwährenden Urväter Kyuss zelebrieren Dommengang ein Meisterwerk an langhaarigem fuzzed-out Wüstenrock und zielen mit ihrer Riff-Voyager in fernste Psych-Galaxien. Ob der zweistimmige Gesang direkt aus dem Nirwana zu einem spricht oder droht, einem ins fiebrige Delirium zu ziehen, weiß man angesichts des waghalsigen Tempos auf „No Keys“ nie. Sicher ist, dass es sich um eine Achterbahnfahrt handelt, die der aus „Odyssee im Weltraum“ an bewusstseinserweiternden Elementen in nichts nachsteht. Mit einem Bein in fernen Weiten, steht das zweite ausgerissene Jeanshosenbein fest verwurzelt in der heimischen Garage. Dabei schieben sich bei aller Verspieltheit druckvolle Psych-Rock-Gewitter in den Gehörgang, die haften bleiben.

Was Dommengang selbst als „Passion Boogie“ bezeichnen, hat mehr mit Iggy und seinen Stooges zu tun, als mit den Größen des Stoner-Rocks. Dennoch dürften eingefleischten Kojotenjägern nicht nur die vorab veröffentlichten Tracks „Wild Wash“ und „Kudzu“ die Freudentränen in die Augen treiben. Eine Nebelschwade Grateful Dead, ein Funkenschlag Demob Happy und schon hat man eine ungefähre Ahnung wohin einen das Spaceshuttle von Dommengang mit „No Keys“ entführen will. Klassisch und in seinem Groove bisher so eher selten gehört, meißelt das Trio aus Brooklyn ein psychedelisches Meisterstück aus großen Space-Rock-Meteoriten.

VÖ: 17. Mai 2019 via Thrill Jockey