Von Oliver Schröder, 23. Juni 2020

Was ist in diesen Zeiten schon zeitgemäß? Der Begriff anachronistisch ist mittlerweile selbst dermaßen aus der Zeit gefallen, dass seine Anwendung nicht mehr allzu viel Sinn ergibt. Und doch, das erste Attribut, das einem zu „Good Songs For Bad People“ einfällt ist anachronistisch. Womit es genau in das Jahr 2020 passt.

We’re staring out the big window/ in this Turkish bakery/ on the dirty boulevard/ after sunset/ blank, silent/ and sucking the last of the grounds

Eine eiernde Schellackplatte knackt vor sich hin während wir diesen merkwürdigen Ort betreten, der sowohl Zuflucht bietet, als auch ganz schön bedrohlich wirkt. Eine gute halbe Stunde knistert und klirrt „Good Songs For Bad People“ vor sich hin und streift dabei die Genres wie John Peel in seinen Radioshows. Dreampop, Electronic und jazzige Arrangements vermischen sich zu einer musikalischen Routenplanung. Ziel ist ein vernebelter Nachtclub, den wir sonst niemals alleine betreten hätten. So richtig ausstrecken und wohlig räkeln mag man sich demzufolge in der loungig wirkenden Sitzlandschaft nicht. Dafür stehen einfach zu viele düstere Gestalten in den Ecken, die alle nur darauf warten, dem Hörer schräge Störgeräusche wie blitzende Messer in den Rücken zu rammen. Karg und albtraumhaft grooven Drab City zwischen analoger und digitaler Film-Noir-Tristesse. Gut um sich mit voller Absicht in schlechte Stimmung zu bringen und sich dabei so richtig gehen zu lassen. Schlecht für die nächste elegante Cocktailparty.

VÖ: 12. Juni 2020 via Bella Union