Von Nico Beinke, 04. November 2020

„Wir sind ein Kollektiv, mit unseren Wurzeln in der klassischen Musik und ihrer Struktur, aber wir sind, in gewissem Sinne, auch ein Schatten dieser Welt – oder ein Echo – während wir einen zukünftigen Sound entwerfen“, sagt Neil Leiter über sein Echo Collective aus Brüssel. Selten macht es soviel Sinn mit einem Zitat in eine Rezension einzusteigen, wie in diesem Fall, wenn einer der Künstler selbst mit soviel sprachlichem Feingefühl das Schaffens-Credo pointiert.

„The See Within“ ist das erste offizielle Album Margaret Hermants und Neil Leiters, deren post-klassische Arrangements zuvor von Genre-Ikonen wie A Winged Victory for the Sullen (an)gefragt wurden und waren. Mitnichten also ein unbedarfter Erstversuch, sondern vielmehr ein überfälliges Muss zweier versierter Instrumentalisten – Hermant an Violine und Harfe, sowie Leiter an der Bratsche. Hinzu kommen die gewohnt sehnsüchtigen Klänge einer Orgel, die als Prototyp des Magnetic Resonator Pianos im Studio zur Verfügung stand und dessen Nachklang mannigfaltigen Klangmanipulationen offen steht, für einen Laien wie mich, aber vor allem nach einer Farfisa Orgel klingt, wie sie für bspw Bing & Ruth während „Species“ Verwendung fand.

Es erfolgt keine Weiterverarbeitung oder Nachbearbeitung außer des Halls. Das akustische Element bildet die Identität des Echo Collectives. Ein natürlicher Sound.

Sowie Neil Leiter diese Arbeitsweise hervorhebt, ist es relevant für die Unterscheidung zwischen Ambient und Neo-Klassik, deren Genres eng beieinander liegen, sich aber vor allem durch ihren Schaffensprozess zu unterscheiden scheinen. Für den Rezipienten bleibt dies nahezu unerheblich, wenn das Ergebnis stimmt. Was die von Leiter erwähnen Klangmanipulationen betrifft, führen sie während „Glitch“ sogar dazu, dass ich mich an William Basinskis Tonband-Dekonstruktionstechnik zu seinen „Disintegration Loops“ erinnert fühle, die allerdings dann wieder die Grenzen zum Ambient konkret verwischen.

Am Ende des pseudointellektuellen Geschwafels seitens des Rezensenten sei aber vor allem dieses wunderbare Album „The See Within“ empfohlen, welches ein weiteres Highlight im Strom der Erscheinungen der Neo-Klassik setzt und sich durch seine unbestreitbare Qualität von der Masse abzuheben weiß.

VÖ: 30. Oktober 2020 via 7K!