Von Oliver Schröder, 03. Juli 2020

Wenn sich Drummer aus dem Hintergrund ins Rampenlicht begeben, kommt nicht unbedingt immer etwas Gutes dabei heraus. Erinnert sich jemand noch an Keith Moons fehlgeschlagenen Versuch, ein Soloalbum aufzunehmen? Trotz vieler Starthilfen durch Freunde und Gastmusiker fuhr er „The Two Sides Of The Moon“ gehörig gegen die Wand.

Die beiden Drummer Simon Popp and Sebastian Wolfgruber legen hier so ziemlich das Gegenteil eines aufgeblasenen Rock’n’Roll-Egotrips vor. Schon bei Fazer sind sie weit mehr als taktgebende Rhythmusmaschinen und unter die Arme greifen muss ihnen sowieso keiner. Zumindest nicht auf der A-Seite.

Gewohnt gelassen vertrackt erforschen die beiden mit „Sound Measures“, wie weit man kommen kann, wenn man sich nur mit Schlaginstrumenten fortbewegt. In fünf Etappen reisen wir auf einem Pogostick in 17 Minuten um die Welt. Erst ganz behutsam und langsam, dann energetischer und schneller. Es bleibt aber immer genügend Zeit, ein Auge auf die musikalische Umgebung zu werfen, die sich zwischen den Trommelschlägen manifestiert: Afrobeat, Jazz, Weltmusik. Am Ziel angekommen drehen die Zenker Brothers das Licht ab und schicken uns mit ihrer Überarbeitung der Stücke durch einen frickelig blitzenden Tunnel in der Hälfte der Zeit wieder nach Hause.

VÖ: 03. Juli 2020 via Squama