Feist – Pleasure
© Mary Rozzi

Feist Pleasure

Wer als Grande Dame der Indie-Szene gehandelt wird und nebenbei als eines der musikalischen Aushängeschilder Kanadas gilt, der darf sich schon mal Fragen gefallen lassen, wenn sechs Jahre zwischen zwei Alben liegen. Mit „Pleasure“ allerdings bleibt Feist keine Antwort schuldig.

All jede, die die Singer/Songwriterin vor allem aus „Let it die“-Zeiten im Gedächtnis haben, dürften sich immerhin kurz am Kopf kratzen. Der leichtfüßige Indie-Folk ist passé, stattdessen sind die Songs teils verwinkelt, Melodien um die Ecke gedacht, die Arrangements direkt, fast schon rau. „Pleasure“ fordert dem Hörer Aufmerksamkeit ab – entlohnt aber mit exquisitem Songwriting und einer Fülle sehr bewegender Momente. Paradoxerweise wirkt Leslie Feist trotz der kratzbürstigen Aufmachung fast schmerzlich nahbar. Dafür braucht es keine melodramatische Verletzlichkeit, kein sensibles Säuseln – das Geheimnis liegt unter anderem in Feists phänomenalen Qualitäten als Musikerin und Performerin. Die Gitarre scharrt und scheppert, das stimmliche Repertoire ist beeindruckend, obwohl sie sich nie zu Vocal-Akrobatik hinreißen lässt.

So vermittelt „Pleasure“, obwohl es perfekt durchinszeniert, komponiert und produziert wurde, absolute Aufrichtigkeit und Authentizität – ästhetische Ziele, die sich zahllose Indie-Künstlern setzen, jedoch kaum je erreichen. Man muss Feist dankbar sein: Dafür, dass sie sich trotz des weltweiten Erfolges von „Let it die“ geweigert hat, weiterhin „provider of hip, trendy TV jingles“ (AllMusic) zu sein. Und für ein schroffes, mutiges, berührendes Album wie „Pleasure“.

20/07/2017 Mainz – Zitadelle Open Air
24/07/2017 Berlin – Tempodrom
02/08/2017 München – Circus Krone

VÖ: 28. April 2017 via Universal Music
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