Get Well Soon – The Horror
© Clements Fantur

Get Well Soon The Horror

„The Horror“ heißt das neue Album von Get Well Soon. Darauf zu finden sind zwölf schaurig-schöne Songs mit Titeln wie „Nightmare No. 3 (Strangled)“ – als wären zwei Alpträume nicht schon genug gewesen. Ganz so finster, wie Mastermind Konstantin Gropper es uns weismachen will, ist die Musik allerdings nicht. Zwar tremolieren die Streicher immer wieder in feinster Hitchcock-Manier und auch vor unbequemen dissonanten Einschüben wird nicht Halt gemacht, in erster Linie ist „The Horror“ aber vor allem nostalgisch – trifft hier doch Groppers ausgeklügelter Chamber Pop auf die Gassenhauer der 50er und 60er.

Vornehme Zurückhaltung sucht man auf „The Horror“ vergeblich, der Kitsch lauert hinter jeder Ecke. Aber genau darin liegt der Geniestreich, der Gropper gelungen ist: Trotz des steten Blicks in den Rückspiegel ist in seiner cleveren Mischung aus komplexen Arrangements und der kompromisslosen Hingabe zur Crooner-Schnulze ein mutiges, zukunftsweisendes Album entstanden – ein furchtloses Lehrstück über die Furcht, wenn man so will.

Ging es beim letzten Get Well Soon Album noch um die Liebe, nimmt sich Gropper hier ganz zeitgemäß dem Gefühl der Angst an, sei es durch spannungsvolle musikalische Querverweise oder in seinen eigenen Texten. So erklingt im Opener „Future Ruins – Pt. 2“ ein arabisches Lied aus dem zwölften Jahrhundert, bevor Gropper selbst das Wort ergreift: „Hey master architect, think of the ruin when you draft“ – laut Gropper eine direkte Anspielung auf die derzeitige Situation im Nahen Osten. Überträgt man die Logik des Liedtexts auf seine eigenen Werke, sind auch diese unabänderlich zum Niedergang verurteilt gewesen. Mit seinem kleinen Horrorladen ist Get Well Soon jedoch in seinem bislang schönsten Gewand aus der Asche auferstanden.

10.08.2018 Hamburg – Elbphilharmonie
01.10.2018 Berlin – Volksbühne
02.10.2018 Berlin – Volksbühne
08.10.2018 München – Kammerspiele
12.10.2018 Leipzig – Westhafen
17.10.2018 Köln – Philharmonie
28.10.2018 Stuttgart – T1 Theaterhaus

VÖ: 08. Juni 2018 via Caroline International
Web Analytics