Von Lennard Göttner, 09. November 2020

Stumpf ist Trumpf. Die kanadische Formation Ghost Woman veröffentlichte mit „Anne, If“ just den Nachfolger ihres gleichnamigen Debütalbums von 2019. Das Quintett knüpft in musikalischer Hinsicht an seinen Vorgänger an und präsentiert über elf Songs verteilt ein breites Spektrum an Einflüssen und Stilen. Der Longplayer gewährt uns einen sehr wohltuenden Einblick in die musikalische Bandbreite und Fähigkeiten des Quintetts, angeführt vom Singer-Songwriter und Multiinstrumentalisten Evan Uschenko. Von Krautrock und Garage Rock über Art Punk, Indie- und Alternative bis hin zu Country.

Ghost Womans Schaffen zu kategorisieren und zuzuordnen fällt wahrlich nicht leicht. Ebenso frappiert die Band nicht gerade mit komplexen, ausgefallen oder besonders originellen Kompositionen, nicht mit herausragenden Zeilen und Texten. Kurzum: „Anne, If“ ist ein Album, das keine großen Töne spuckt, diese jedoch auch zu keinem Zeitpunkt zu suchen scheint. Ich kann in jedem Falle verstehen und nachvollziehen, wenn das Werk als ausdrucks- und farblos beschrieben wird. Und um ehrlich zu sein fiel und fällt es mir wirklich nicht leicht, meine Gefühle und Gedanken im Hinblick auf das Album niederzuschreiben. Ist „Anne, If“ tatsächlich ausdrucks- und farblos? Meine ganz persönliche Antwort diesbezüglich lautet nein. Tatsächlich hat mir das Album große Freude bereitet. Die elf Songs vergehen wie im Flug und trotz der verschiedenen Stilrichtungen hatte ich stets das Gefühl, ein dynamisches und in sich stimmiges Werk vor mir liegen zu haben.

„Anne, If“ ist kein Meisterwerk. „Anne, If“ ist ein schönes, gutes und charmantes Werk, das nie mehr sein will als es tatsächlich ist. Und genau das fühlt sich auf eine teilweise nicht einfach zu definierende Weise sehr besonders an.

VÖ: 31. Oktober 2020 via Ghost Woman