Von Lennard Göttner, 26. Mai 2020

Gloria de Oliveiras „Fascination“ fasziniert – und das auf eine einzigartige Weise. Denn auch nach mehrmaligem Hören lässt sich nicht klar definieren, weshalb überhaupt. Oberflächlich betrachtet, passiert auf der Zusammenstellung der beiden zuvor erschienenen EPs „Lèvres De Sang“ und „Roses in the Frost“ nicht wirklich viel. Doch tiefer, quasi im Herz der Faszination brodelt, kocht und berauscht es.

Das betörende Soundspektrum reicht hierbei von Dreamwave über Etheral bis hin zu Goth-Pop. Neben dem musikalischen Werk zeichnet sich die deutsch-brasilianische Musikerin und Schauspielerin (u.a. Babylon Berlin) zusätzlich immer wieder mit anmutigen, hoch ästhetischen und größtenteils selbstproduzierten Bewegtbildern aus. Insbesondere „To Recall“ (Video) rückt hier auch nachträglich noch ins Gedächtnis.

Doch sich einzig und allein auf ein paar einzelne Songs zu beschränken wird „Fascination“ schlichtweg nicht gerecht. Das Werk als Ganzes besitzt eine einnehmbare Tiefe, der es sich unbedingt hinzugeben lohnt. Wer sich auf die Platte einlässt wird einen persönlichen und inneren Schlüsselmoment beobachten können. Der Moment, in dem die scheinbar musikalische Lähmung und Regungslosigkeit schlagartig in eine stürmische, rohe und unbändige Kraft umschlägt. Doch um nicht missverstanden zu werden: Bei aller Zügellosigkeit ist „Fascination“ zugleich sanft, anmutig und unaufdringlich.

Wie bereits erwähnt ist der Longplayer die Zusammenstellung zweier im vorherigen Jahr erschienenen EPs mit ihren insgesamt zehn, nun remasterten Songs. Hinzu kommen sieben Remixe, unter anderem von „Fragrance“ oder etwa „Box And The Twins“. Sowohl die Musik selbst, als auch die dazugehörigen Videos bieten einen beeindruckenden Blick in das reiche Klang- und Kunstuniversum der Gloria de Oliveira.

VÖ: 27. März 2020 via Reptile Music