Von Nico Beinke, 10. März 2020

Ich muss jedes Mal schmunzeln, wenn ich mir Greg Dullis Foto im Cover-Artwork seines ersten Soloalbums „Random Desire“ ansehe. Fühle ich mich doch zu gleichen Teilen an die Inspektoren Gadget und Clouseau erinnert, immerhin zwei große Helden meiner Kindheit. Selbiges kann ich von Dulli nun wirklich nicht behaupten. Wie Kollege Oliver Schröder einst über Afghan Whigs schrieb, „man liebe, oder hasse sie“, was ich als These äußerst passend finde.

Ich entschied mich tendenziell für letzteres, um mir dann aber doch immerhin zweimal die Gutter Twins live zu begucken – allerdings ganz klar dem Team Mark Lanegan zugehörig. Zynisch ließe sich nun behaupten, die größte Leistung der beiden Gutter Twins Dulli und Lanegan sei es noch zu leben, aber das verbietet sich selbstredend von selbst. Wobei Dullis Offenherzigkeit in Sachen Lyrics darauf hindeutet, dass das Thema Drogenmissbrauch immer noch ein sehr großes zu sein scheint. Und genau für diese Art der Ehrlichkeit und Authentizität schätze ich den 55-jährigen dann doch sehr. Ebenso gibt es Gesangspassagen während „Random Desire“ in denen Dulli dermaßen die hohen Töne vergeigt, dass es streng genommen nur als kläglich zu bezeichnen wäre, wenn nicht gerade eben dieses Scheitern den Reiz ausmachen würde.

Greg Dulli hat vor 30 Jahren begonnen Gitarrenmusik zu machen, in Zeiten, in denen eine glatt produzierte, makellose Gesangsleistung höchstens dazu geführt hätte, dass sich seine Mitmusiker angeekelt von ihm abgewandt hätten. Dabei zu bleiben, ist also einfach nur konsequent und so etwas ist gerade heutzutage nicht hoch genug anzurechnen. Und dieses erste Soloalbum hat alles, was sein künstlerisches Schaffen schon immer ausgemacht hat, es hat Soul (in jedem erdenklichen Sinne), es hat Grunge, es klingt dreckig, immer dann wenn es wichtig ist, es ist Indie (im Sinne von schräg) und es ist ganz offensichtlich Greg Dulli, wie es ihn purer und offenherziger vielleicht erst wieder in dreißig Jahren zu hören gibt.

30.03.2020 Köln – Luxor
31.03.2020 Berlin – Lido

VÖ: 21. Februar 2020 via BMG