Guido Lucas – R.I.P.

Guido Lucas R.I.P.

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Kaum ein deutscher Produzent verfügte je über mehr Ecken- und Kanten-Kompetenz als Guido Lucas. Er formte und förderte Bands, die ein normalsterblicher Musiktreibender häufig kaum mit der Kneifzange angefasst hätte. Lucas hatte ein Händchen für unkonventionelle Ansätze, war dem Volume 11 stets zugetan und hat als Produzent eine wichtige Ära des deutschen Indie-Rock mitgeprägt. Nicht ohne Grund nannte man ihn in Fachkreisen auch den deutschen Steve Albini (via) oder, wie es Kurt Ebelhäuser einst formulierte, den deutschen „Indie-Papst“ (via). Jetzt ist Guido Lucas überraschend im Alter von 53 Jahren verstorben (via).

Scumbucket, Blackmail, Ulme, KEN, Genepool, Harmful, Urlaub in Polen, natürlich Les Hommes Qui Wear Espandrillos, um nur einige zu nennen – ihr Sound wäre ohne Guido Lucas anders ausgefallen und wer weiß, ihr Weg vielleicht ein anderer gewesen. Als Produzent und Betreiber des Blubox Studios im musikalisch eher wenig behelligten Troisdorf holte er vielversprechende Musiker in die Stadt und gründete Mitte der 90er Jahre sein Label Blunoise Records. Er war als Bassist aktiv und produziert unzählige Alben. Definitiv eine Koryphäe seines Fachs.

In einem Interview sagte Lucas einst: „Man muss lernen, immer weiter zu lernen, nicht irgendwann dicht zu machen“ (via). Unter anderem diese Einstellung führte vermutlich dazu, dass seine Arbeiten bis zu letzt immer spannend und außergewöhnlich blieben. Mit Guido Lucas geht ein Produzentenurgestein über Bord, wie es in Deutschland zumindest für diese Form von Musik nicht so schnell nachwachsen wird. Sein bleibendes, musikalisches Erbe lässt zumindest darauf hoffen, dass sich seine Ecken und Kanten auch weiter durchsetzen und nicht vergessen werden. Verdient hat er es in jedem Fall. Farewell.

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