Von Tim Brügmann, 15. April 2019

Die Täubchen gurren wieder. Hat uns das Indie-Rock-Duo Gurr letztes Jahr lediglich mit der Festival-Hymne „Hot Summer“ über ein neues Album hinweggetröstet, spendieren uns Andreya Casablanca und Laura Lee erneut kein Album, dafür aber eine randvolle EP. „She Says“ strotzt vor sieben Lo-Fi-Oden, die nicht ganz Hochsommer sind, aber auch nicht mehr so ganz zur kalten Jahreszeit passen. Die perfekte Übergangsjacke quasi auf Platte gepresst und das in bester Gurr-Manier.

Ein wenig fetziger als noch die Singles „Haselnuss“ oder „Moby Dick“, aber auch nicht so rotzfrech wie „Hot Summer“ beschwören die beiden Mädels aus Berlin den hoffentlich bald kommenden Sommer herauf. Produziert wurde „She Says“ unter anderem von Matthew Molnar, der bereits für die New Yorker Indie-Sensation Sunflower Bean an den Reglern saß. Und so schaffen es Gurr mehr L.A. als Kreuzberg wunderbar an ihr Album „In My Head“ anzuschließen, auch wenn ihnen die unbekümmerte Aufbruchsstimmung der Anfangstage logischerweise abhanden gekommen ist. Dafür präsentieren sich die stylischen Zwei erwachsener und sind angekommen auf den großen Bühnen von London bis Texas. Und das sind sie zum Glück auch weiterhin mit einer Mischung aus Powerpop und ein wenig Sonntagmorgen-Psychedelic.

Was soll man sagen? Gurr haben ihren ganz eigenen Charme und immer dann, wenn man glaubt, die Kiste steuert ziellos in Richtung Lollapalooza-Mandelmilch-Hashtag-Hölle, drehen Andreya und Laura das Ruder rum und begeistern mit mindestens zum Mitwippenden Frühsommer-Tracks wie dem titelgebenden „She Says“ oder dem schon etwas eher das Haupthaar in Wallung bringende „Middleton Mall“. Einzig die deutschsprachige Single „Zu Spät“ mag trotz Bela B im Video eher an ein mutiges Juli-Outtake erinnern. Aber hey, auch Eva Briegel wollte man eigentlich nie etwas übel nehmen.

VÖ: 05. April 2019 via Duchess Box Records