Von Säm Wagner, 27. Januar 2020

Was war das damals für ein großer Moment. Damals im Jahr 2000. Mit Sorge legte ich im örtlichen Drogeriemarkt mit CD-Abteilung „More Light“, das erste J-Mascis-Soloalbum nach dem einstweiligen Dinosaur-Jr.-Split, auf den Abspieltisch. Wie klingt J Mascis solo? Das kann doch nicht besser werden. Und überhaupt: Ich wünschte mir Dinosaur Jr. zurück! Sekunden später formte mein Mund blitzschnell ein zufriedenes Lächeln. Nichts hatte sich geändert. Mascis kniedelte genauso wie zuvor mit Dinosaur Jr. „More Light“ konnte auch ein weiteres Album der Band sein. Saugut. So muss es sein. Das will ich genauso hören. Keine Veränderungen.

Mit dem Werk von Hans Forster aka Hanemoon geht es mir sehr, sehr ähnlich. Das Werk seiner früheren Band Seaside Stars steht in meiner Gunst himmelhoch weit oben. Die Seaside Stars aus Weiden in der Oberpfalz waren für mich „die besseren Teenage Club“. Himmlische Melodien, verträumte Hymnen, irgendwo zwischen den Beach Boys, Byrds und – eben – dem Teenage Fanclub. Keine Fahrt an ans Meer oder an irgendeinen See unternahm ich ohne die beiden Seaside-Stars-CDs im Handschuhfach. Die Seaside Stars waren immer dabei, klangen spätestens dann aus dem Autoradio, wenn der Strand am Horizont auftauchte. Der perfekte Soundtrack in genau dem Moment.

Als es um die Seaside Stars (hoffentlich nur vorläufig) still wurde, kam Hanemoon mit einer neuen Band um die Ecke: The Sealevel. Und wieder: Brillianter Twee- und Noisepop. Selbst Hanemoons nächstes Projekt in seiner neuen Heimat Berlin: Man Behind Tree machten wieder zuckersüße Popsongs, nur etwas leiser, schwelgerischer. Trotzdem, nach wenigen Takten war klar, wer hier die Finger im Spiel hat.

Nun erscheint Hanemoons erstes Soloalbum „Mammals“ auf dem Indielabel Jigsaw Records aus Portland. Und nach nur wenigen Sekunden formt mein Mund wieder dieses zufriedene Lächeln, das es damals schon bei der J-Mascis-Platte formte. Hanemoon bleibt der alte – ohne sich zu wiederholen. Auf der Achse Teenage Fanclub – Wilco verschiebt sich der Zeiger vielleicht ein wenig mehr in Richtung Wilco, was dem Sound aber extrem gut tut. „Mammals“ ist ein Album, in das man sich verlieben wird. Die federleichten Melodien zaubern Glücksgefühle hervor. Ein Licht am Ende des Tunnels der Melancholie. Songs, die man betrunken spätnachts Freundinnen übers Telefon vorspielen will (Macht man das noch? Eher nicht, oder? Schickt man sich nun Spotify-Links via WhatsApp?).

Doch damit nicht genug. Die Seaside Stars haben vor wenigen Tagen verkündet, dass sie wieder gemeinsam im Proberaum stehen. „The old guys are rehearsing again … there’s to be at least one show coming up this year.“ Vielleicht arbeiten sie irgendwann auch an ihrem dritten Album weiter. Drüben in der Indie-Raucherecke kursiert das Gerücht, dass ein neues Seaside-Stars-Album bereits vor Jahren aufgenommen wurde. Es wartet wohl seitdem auf einer Festplatte auf den allerletzten Schliff. Gebt es raus!

VÖ: 24. Januar 2020 via Jigsaw Records