Von Tim Brügmann, 25. Mai 2020

Where were you when everything fell apart? Na hier! Daheim und mit spitzen Ohren vor der neuen Hathors-Scheibe „Grief, Roses & Gasoline“. Die Band um Marc Bouffé präsentiert fast pünktlich zum 10-Jährigen einen Platte-gewordenen Reset-Knopf, der uns direkt in den Sound der 90er beamt. Das Trio aus Winterhur verneigt sich dabei mit seiner nunmehr vierten Platte vor den jungen Altmeistern der damaligen Rock-Bewegungen. Aber keine Angst, viel weniger Nirvana oder Pearl Jam als Meat Puppets, eine Prise Melvins, ja Hellacopters oder Millionaire sind auf dieser knackigen Song-Kollektion enthalten. „Grief, Roses & Gasoline“ erscheint dabei als drittes Album der Band in Folge bei der Berliner Qualitätsbude Noisolution.

Tja, auch der Lockdown geht an einer Band wie Hathors nicht spurlos vorbei, musste man auf ihr viertes Album noch ein wenig länger warten und auch auf die angedachte Tour zunächst einmal verzichten. Tränen hat man dennoch keine in den Augen, wenn sich das Trio hier auf das Wesentliche konzentriert und ihre Ursuppe aus Hardcore, Punk und Noiserock mit einem ordentlichen Brocken Grunge nachwürzt. Dabei kommt das Album selbstredend extrem catchy daher, die Hooks sitzen und dennoch wähnt man sich inmitten verschwitzter Rock-Söldner, bereit die Gräben einzureißen und die lange Matte durch den Dunst schnalzen zu lassen. Das ist Alternative-Rock auf Stufe 11 und Hathors reichen einem ein ölverschmiertes Röslein.

Die kratzige Stimme Bouffés tut dabei ihr Übriges, wenn Gitarre, Bass und Schlagzeug auf Zweihandvoll Songs vor allem durch Abwechslung und mit konkretem Songwriting glänzen. Insofern ist „Grief, Roses & Gasoline“ wahrhaftig ein Album alter Schule, klingt wie nur die 90er zu klingen vermochten und doch steht man fest im Hier und Jetzt. Charmante Rüpelhaftigkeit ist nur eins der Markenzeichen von Hathors, die hier eine Hommage an vermeidlich bessere Zeiten abliefern. Aber gerade in unsicheren Zeiten wie diesen, so sagt man, freut sich der Mensch über etwas Nostalgie und stöbert durch den Plattenkoffer. Warum also nicht was Taufrisches entdecken und dennoch in Erinnerungen schwelgen?

Wer es angesichts der neuen erstklassigen Songs gar nicht mehr abwarten kann, die Band live zu sehen, der möge sich über die jüngst eingespielte Quarantäne Session der Band freuen.

VÖ: 22. Mai 2020 via Noisolution