Von Nico Beinke, 17. April 2020

Wenn die Welt still zu stehen scheint, besinnt sich der/die ein oder andere aufs Wesentliche (zurück). Zum Beispiel, wie schrecklich egal es eigentlich ist, hip oder ein Teil einer Jugendbewegung zu sein. Tapete Records ist zudem Heimat von Musikern, die immer ein Stückweit in der klassischen Liedermacher-Tradition zu stehen scheinen, die ja schon per se niemals hip sein wollte, höchstens anders. Und Henning von Hertel – zarte 26 Lenze zählend – bereichert diese Tradition durch seine umfassende Introspektion namens „Beleuchtet den Hintergrund“, dem Debüt seines Künstler-Idioms Herr D.K..

Der – nahezu geniale – Albumtitel deutet die Liedermacher-Tradition schon an: Es geht ums eigene Leben, den Platz des Individuums in der Gesellschaft, bzw. ihn zu finden, oder halt auch nicht. Der Hintergrund, als Ursprung tritt dabei in den Vordergrund, also ins Rampenlicht. Harald Schmidt hat es auch geringschätzig Befindlichkeits-Lyrik genannt, wobei ich daran nichts Verwerfliches finden kann, zumal die Evolution (oder gesellschaftliche Entwicklungen) von Zeit zu Zeit die Karten neu mischt und dann jeder wieder von Neuem sehen muss wo er bleibt.

Musik die aus Prinzip uncool ist, kann dabei der Gewinner von morgen sein, wenn es halt eben nicht mehr cool ist, zynisch und ironisch zu sein. Vergleichbar mit Jochen Distelmeyers Münchener Freiheit-Phase für „Old Nobody“. Was hat der Mann damals dafür Medienschelte bekommen, eben weil es gar nicht hip war, dafür aber unmittelbar fühlbar wurde. Gesanglich klingt der gnädige Herr (D.K.) dann auch tatsächlich ein wenig nach dem Distelmeyer und dem anderen großen Befindlichkeits-Lyriker Wolfgang Müller. Gelegentlich ins Melancholische abdriftend ließen sich noch Isolation Berlin für einen Vergleich bemühen.

Die Lyrik an sich ist dann immerhin so verklausuliert, dass sich ein jeder eingeladen fühlen darf, sich das für ihn Passende herauszupicken. Ich persönlich gehöre vielleicht zu den ewig ironischen, fehlkonditionierten alten Grantlern, die solcherart Textgut nicht mehr zur Gänze abzuholen weiß. Ich halte es da mit dem Wader, Hannes: „Schön ist die Jugend so sorglos und frei / Gott sei Dank ist sie endlich vorbei“.

VÖ: 03. April 2020 via Tapete Records