Hookworms – Microshift
© Hollie Fernando

Hookworms Microshift

Sommer 2015, irgendein Festivalzelt, draußen ist es taghell: Die Nebelmaschine läuft auf Hochtouren. Durch die wabernde Dunkelheit hallt und kreischt es effektbeladene Synthie- und Gitarrensounds. Das Szenario schwankt zwischen euphorisch-wild und hochkonzentriert. Die Hookworms spielen sich durch ihr zweites Album „The Hum“, das sich ebenso fahrig und energetisch präsentiert wie ihre Liveauftritte. Zweieinhalb Jahre später ist die Band zwei bis drei Sterne weiter gehüpft. Weg von der Psych-Rock-Sonne, die ihnen nach acht Jahren das Hirn zu versengen drohte. Eine Zäsur, die nicht ganz freiwillig war, nachdem 2015 eine Flut ihr Studio nahezu vollständig zerstörte. Irgendwo musste neu angefangen werden. Warum also nicht nochmal von vorne?

„Microshift“ ist ein riesiger Sprung in Richtung Elektro und Pop. Es gibt keine namenlosen Instrumentals mehr, keine zerfaserten Experimente, die mitten in der Idee enden. Das war zwar meist mitreißend sympathisch, aber auf Dauer auch ganz schön anstrengend. Die neuen Songs sind kompakter, durchdachter und catchy ohne Ende. Dabei gibt es trotz aller Neuerungen immer wieder diese typischen Hookworms-Momente, die den Hörer wie ein alter Freund zuzwinkern oder wütend am Kragen packen und ordentlich den Kopf waschen. Am Ende von „The Soft Season“ nimmt sich die Band zum Beispiel die Zeit für ein minutenlanges, krautiges Loop, das sich allmählich zum achtminütigen „Opener“ steigert. Zu diesem Zeitpunkt haben wir von angefreakter Melancholie bis zur zappeligen Hyperaktivität das ganze Spektrum merkwürdiger Außenseiter-Euphorie durch. Das Herz klopft, aber es geht direkt weiter. „Boxing Day“ führt Grauzones „Eisbär“ gekonnt aus der unterkühlten Discopunk-Landschaft heraus und hinein in ein funkelndes, warmes Meer aus Synthesizer und Saxophon.

Den Hookworms ist mit ihrem beherzten Sprung in die Zukunft, ein nostalgiebefreiter Salto zurück in die Aufbruchsstimmung der frühen Nuller Jahre gelungen. Hoffen wir mal, dass das Jahr 2018 in Sachen Indiepop auf diesem Niveau weiter macht. Leicht wird es nicht.

05/02/2018 Berlin – Privatclub

VÖ: 02. Februar 2018 via Domino Records
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