Von Oliver Schröder, 01. Mai 2020

Black Mirror Ball: Houses of Heaven reflektieren mit ihrem Debütalbum das widersprüchliche Chaos, das durch die verzehrende Lebensweise der Menschheit entsteht. Da passt es nur ins Konzept, dass dabei neun matt schimmernde Industrial-Pop-Songs entstanden sind, die erst auf neonkühlen flackernden Tanzflächen so richtig funktionieren.

Keven Tecon, Adam Beck und Nick Ott nahmen “Silent Places” zur Zeit der verheerenden Brände in Nordkalifornien im vergangenen Jahr auf. Beißender Rauch am Himmel, alles verschlingendes Feuer und die ständige Angst, dass aufkommende Stürme alles nur noch schlimmer machen könnten, lieferten das unheilvolle Fundament, auf dem ein Berg aus elektronischen Soundeffekten aufgeschüttet wird. Viel Vertrautes gibt es da Schicht für Schicht zu entdecken: Demolierte Gitarrenriffs, atmosphärische Dichte, angriffslustige Beats und dazu ein bisschen Größenwahn.

Das Gefühl von Rastlosigkeit und Klaustrophobie zieht sich als schwarzer Faden durch ein von Matia Simovich (Inhalt), Monte Vallier (Weekend) und John McEntire (Tortoise) souverän produziertes Album, das seinen dramatischen Unterton lustvoll ausschöpft. Darin liegt auch die Widersprüchlichkeit von „Silent Places“. Das Thema Zivilisationskritik durch sexy Klangästhetik hat Trent Reznor seit „Pretty Hate Machine“, an dem sich House of Heaven wohl am stärksten orientieren, mittlerweile schon dreimal durch. Als Lieferanten von pumpenden Floorfillern macht den Jungs aus Oakland aber keiner was vor.

VÖ: 01. Mai 2020 via felte