Von Alex Schulz, 07. Oktober 2020

Snefald Over Fjorden, Polardrømme, Funklende Blikke: So vielsagend liest sich schon zu Beginn die Tracklist des im Folgenden vorgestellten, sehr gemütlichen Instrumental-Albums. Es scheint zudem eine einfache Übung für jeden Gelegenheits-Enträtseler der Sprachen unserer europäischen Nachbarländer. Die Meta-Daten des Albums dagegen sind herausfordernder, aber nicht minder aufschlussreich: es nennt sich „Øjeblikke Vi Husker“, komponiert von der dänischen Jazz-Kombo Hvalfugl.

Hier eine kleine Übersetzungshilfe: „Øjeblikke“ (glasklar: Augenblicke!) „Vi Husker“ (schwerer: an die wir uns erinnern) von „Hval“ (lautmalerisch: Wal) „-fugl“ (nun logisch: Vogel).

Ganz nach dem Motto des Albumtitels bescheren uns die Walvögel mit ihrem dritten Werk ein absolut erinnerungswürdiges Hörerlebnis. Es ist ohne Wenn und Aber ein Album, dass wie gemacht klingt für die kalte Jahreszeit. Dessen Veröffentlichung markiert einen gelungenen Herbstanfang für alle diejenigen, die die Saison gerne entspannt und zurückgezogen angehen.

Wie es sich für eine Jazzband gehört, beherrschen die drei Stammmitglieder gleich mehrere Instrumente und haben sogar Gastmusiker eingeladen. Das Gros der Songs ist allerdings lediglich auf Piano, Bass bzw. Cello und Gitarre aufgebaut. Die Treue zur immerwährenden Kombination aus genannten Instrumenten birgt eine gewisse Einfachheit, die Hvalfugl besonders angenehm zu hören macht. Ihre Musik wirkt wohldosiert und in allen Belangen ausgewogen – vermutlich wollten die Musiker dies mit ihrem Bandnamen auf den Punkt bringen: sie vereinen die Wale der Tiefsee spielerisch-leicht mit den Vögeln der Lüfte.

Langeweile kommt beim aufmerksamen Zuhören zu keiner Zeit auf, denn die drei Dänen verstehen sich auf das Handwerk Melodien skandinavischer Volkslieder in ihr Spiel einzuweben. Einflüsse aus Dänemark, aber auch Island oder Schweden sind auf ihren Songs zu finden. „Forglemmigej“ oder „Sommereufori“ wären Beispiele, bei denen man schön erahnen kann, dass auch ein volkstümlicher Gesang die Melodie getragen haben könnte. Auf diese Weise wirkt ihr Nordic Jazz weniger mysteriös, sondern eher ehrlich und direkt.

Nun wäre es dennoch ein leichtes den Jazz Hvalfugls als nette, dahindudelnde Hintergrundmusik beim täglichen Bearbeiten der Excel-Tapete im Büro oder beim Bügeln zuhause abzustempeln. Ein Album eingereiht neben Lofi-Beat-Playlisten von YouTube. Doch damit wäre niemandem ein Gefallen getan – ist das Album doch prädestiniert als Grundstein, um sich mit dem Genre weiter auseinanderzusetzen!

Jetzt, wo man weiß, wie Hvalfugl übersetzt zu lesen ist, ist auch der Bandname kein Stück mehr sperrig. Selbiges gilt für die Musik des Trios, die mindestens dem Autor dieses Artikels den Zugang zum Genre des Jazz neu eröffnet hat.

VÖ: 25. September 2020 via Hvalfugl