Interpol – Marauder
© Jamie James Medina

Interpol Marauder

More heat than light: Am Ende des Jahrhundertsommers befinden sich Interpol im zweiten Frühling. Sie hören erst einmal damit auf, sich ausschließlich auf die alten Hits zu verlassen und arbeiten für ihr sechstes Album wieder stärker mit Hitze.

Zuletzt ging es ja vor allem um Songs wie „Untitled“, „Obstacle 1“ oder um „Stella“, die immer down waren. Stichwort: „Turn On The Bright Lights“-Tour. Eine zwiespältige Angelegenheit, die vor allem jene Nostalgiker unter den Fans ansprach, die sich genüsslich im 16 Jahre alten Meisterwerk suhlen wollen. Für die Band eine sichere Bank, vielleicht sogar eine Spur zu sicher. Das letzte Album „El Pintor“ ist auch schon vier Jahre alt und wurde aufgrund kreativer Anämie eher gemischt aufgenommen. Nun soll es mit „Marauder“ wieder geradeaus in Richtung alte Helligkeit gehen. Kaum ein Zufall also, dass eine der ersten Release-Infos darauf hinweist, dass die neuen Songs im Proberaum der Yeah Yeah Yeahs in New York entstanden seien. Zurück in die Nullerjahre also?

Nicht ganz. Die Vorabsingle „Rover” sorgt nämlich nicht unbedingt für jene Lumenzahl, die sich viele erhofft hatten, aber erinnert durchaus an alte Zeiten: Drums und Gitarre erkennt man beim ersten Durchgang sofort wieder und wird man nach dem dritten kaum mehr los. Dazu machen Paul Banks‘ Vocals bling-bling und alles ist vergessen. Nun ja, fast alles. Mit starken Songs wie „If You Really Love Nothing“, „Complications“ oder „Number 10“ wird zwar genug qualitativ hochwertiges Material geliefert, aber „Marauder“ ist beileibe kein makelloses Album. Es gibt keine Totalausfälle – das entspräche auch kaum der Signatur der Band. Allerdings geht so einiges selbst am aufmerksamsten Hörer vorbei – was schon eher nach (den späten) Interpol klingt. Auch Dave Fridmanns Einfluss als Produzent konnte nicht verhindern, dass es Songs wie „Stay in Touch“ oder „Flight of Fancy“ nicht gelingt die sepiafarbene Solidität, die sie umgibt, zu durchstoßen. Nichtsdestotrotz werden die Zweifel am sinnhaften Fortbestand Interpols hiermit erst einmal vom Tableau gewischt. Und nichts anderes stand ja hier auf dem Spiel.

25.11.2018 Berlin – Tempodrom

VÖ: 24. August 2018 via Matador Records
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